Datum
23.04.2021
Kategorie
Projekt
Schlagworte
Man könnte meinen, Schüler_innen beim Flanieren zu ertappen – und das an einem Schultag, mitten am Morgen. Da kommt die Lehrerin ums Eck und gemeinsam steuert die Gruppe aufs BOTTA in Lustenau zu.

Tatsächlich befindet sich die Klasse auf einem poetischen Spaziergang, auf der Suche nach Worten und Gedichten von zehn Autor_innen und elf Schreibenden aus Lustenau. Mitten in Lustenau? Ja, mitten in Lustenau sucht die Gruppe das Gedicht ihrer Mitschülerin Georgiana C., deren Zeilen neben den Worten der Autorin Nadine Bösch bei der Eisdiele Dolomiti zu finden sind.

#fensterpoesie in Lustenau

Nachdem wir das Projekt der #fensterpoesie gemeinsam mit Gabi Hampson vom W*ORT Lustenau erfinden und im Rahmen des ZwischenZeitRaums in Hohenems zum ersten Mal durchführen durften, freuen wir uns jetzt unglaublich, dass diese kleine und feine kulturelle Intervention auf Reisen gehen durfte und in Lustenau auch bei der Kulturamtsleiterin, Claudia Voith, auf offene Ohren und Arme gestoßen ist.

Die Tatsache, dass man Lustenau aus allen Himmelsrichtungen nur über eine Brücke erreichen kann und sie darüberhinaus ein verbindendes Element für uns alle darstellt, machte den Begriff rasch zum Thema der Lustenauer #fensterpoesie. Seit wenigen Tagen zieren 21 Gedichte von zehn Autor_innen, darunter u.a. Sarah Rinderer, Walter Bruder, Veronika Schubert, Karl Johann Müller, Petra Nachbaur oder auch Mathias Müller, sowie von elf Schüler_innen und Lustenauer Bürger_innen die Schaufenster entlang der Kaiser Franz Josef Straße.

#fensterpoesie in Lustenau, ©Miro Kuzmanovic

Insgesamt landeten mehr als 150 Einreichungen von sechs Schulklassen, der Offenen Jugendarbeit Lustenau und von ambitionierten Lustenauer Bürger_innen im Postkasten des Projektteams. Verena Marte vom Kreativkollektiv mohap schrieb die ausgewählten 21 Brückengedichte kunstvoll von Hand auf ausgewählte Schaufenster der Marktgemeinde. Diese spannenden, berührenden, überraschenden und witzigen poetischen Impressionen bereichern bis Ende Mai nicht nur Spazierende im Alltag, sondern wurden auch von Miro Kuzmanovic fotografisch festgehalten und in ein einzigartiges Postkartenbüchlein verwandelt: für alle, die sich ein wenig Brücken-Poesie mit nach Hause nehmen oder sie verschicken möchten.

Das Volk braucht Poesie wie Brot
„Gestern hat mich meine kleine Radtour durch Lustenau geführt und – total zentral – beim „BOTTA“ – habe ich mich wiedergefunden, irgendwie ganz neu, so hübsch unaufdringlich gestaltet! Und in einer ziemlich phänomenalen Reihe von poetischen Kurzgeschichten, unter denen ich mich wohl fühle, nicht nur weil zwei bis dato unbekannte Stakeholder im poetischen Universum – nämlich  „WUI“ und „Knalleffekt“ auftreten und Positionen markieren. Was Sie da tun, bereichert den Durchblick (hoffentlich nicht nur) der Lustenauer_innen beträchtlich! Simone Weil (1909-1943) könnte richtig liegen, wenn sie meint: „Das Volk braucht Poesie wie Brot …“ 

Das schrieb uns Autor Walter Buder, nachdem er sein Gedicht in Lustenau entdeckt hatte. Während Autor_innen nicht nur berührende Gedichte, sondern auch solche Emails schreiben, wird die Schulklasse beim Flanieren „ertappt“ und auf den Gesichtern von Passant_innen, die im Vorbeigehen poetisiert werden, wird ein Lächeln entdeckt.

Das ist #fensterpoesie in Lustenau.

#fensterpoesie in Lustenau
ein Kooperationsprojekt von literatur.ist mit dem W*ORT in Lustenau und der Marktgemeinde Lustenau