Datum
08.06.2022
Ort
Feldkirch, Neustadt
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Kategorie
Projekt
Schlagworte
©ABösch
Haben Sie sich schon einmal vorgestellt, wie James Joyce Ihnen Frühstück ans Bett bringt? Autorin Verena Roßbacher setzt mit ihrer aktuellen literarischen Intervention ‚Wie fest lieben Sie Joyce?‘ in der Feldkircher James Joyce Passage das Kopfkino der Passant:innen mühelos in Gang.


Die Vorarlberger Schriftstellerin spielt verschiedene humorvolle bis skurrile Fragen auf die Wände des Durchgangs zwischen Stadt und Bahnhof und inszeniert damit den renommierten Autor plötzlich als nahbaren Menschen im banalen Alltag. Jede Frage geht mit drei Antwortmöglichkeiten einher, zwischen denen die Feldkircher:innen wählen können. Eine Auswertungsskala am Ende der Passage versieht die Antwortmöglichkeiten mit Punkten und je nach erreichter Punktezahl erkennen sich die Passant:innen als latente oder waschechte Joyce-Liebhaber:innen wieder.

©ABösch

Nach den Autor:innen Günter Vallaster, Christian Futscher und Sarah Rinderer ist die in Berlin lebende Verena Roßbacher bereits die vierte Schriftstellerin, die sich im Rahmen des Projektes #feldkirchenjoyce mit James Joyce in der Passage der Stadt Feldkirch auseinandersetzt. Während jedoch bisher mit „Dubliners“ oder auch „Ulysses“ Joyce‘ Texte im Vordergrund standen, lenkt Verena Roßbacher nun den Blick auf den Autor selbst und geleitet ihn über ihre Fragen kurzerhand vom Literatur-Olymp direkt vor unser Bett sowie in die Apotheke oder macht uns zu seinem Lektor. Bei der Konzeption der Intervention hatte die geborene Bludenzer Autorin ihr Ziel von Beginn an klar im Blick: „Ich wollte für die Joyce-Passage eine Möglichkeit finden, sowohl Kennern des Ulysses und seines Autors als auch allen anderen einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu verschaffen. Dafür habe ich spielerisch Themen aus dem Buch als auch aus Joyce‘ Leben aufgegriffen und zu einem Persönlichkeitstest verbraten – so kann endlich jeder den Grad seiner individuellen Liebe zu Joyce im Handumdrehen ausrechnen!“

©ABösch

Auch in ihrem Text „Jon Wray und der große Joyce“ nähert sich Verena Roßbacher der Literatur-Ikone unverhohlen und humorvoll, indem sie den fiktiven Joyce-Experten John Wray in schnellen Dialogen im Café Zanona auf absurde Weise an einer überdrehten Journalistin vorbeireden lässt. Erschienen ist der Text in der jährlichen Publikation der literatur:vorarlberg, der Interessensgemeinschaft der Vorarlberger Autor:innen. Die aktuelle Ausgabe V#37 versammelt die Beiträge zahlreicher Mitglieder des Verbandes und widmet sich unter dem Titel „Ulysses #100“ zur Gänze Joyce‘ Meisterwerk. Am Donnerstag, 16. Juni 2022 um 19:30 Uhr bringen Verena Roßbacher, Norbert Mayer und Christian Zillner ihre Texte aus der V#37 auf die Bühne des Theaters am Saumarkt. Direkt davor empfiehlt sich ein Spaziergang durch die Joyce Passage, in der ihr ganz nebenbei feststellen könnt, wie fest ihr Joyce liebt. 


Im Rahmen des Projektes #feldkirchenjoyce verwandeln seit einem Jahr verschiedene Autor:innen die Unterführung zwischen Bahnhof und Altstadt in eine lebendige Erzählfläche. #feldkirchenjoyce ist eine Kooperation der Stadt Feldkirch mit der literatur:vorarlberg und dem literatur:vorarlberg netzwerk.

#feldkirchenjoyce | Autor_innen

Autorin | Verena Roßbacher (Juni bis September 2022)
1979 in Bludenz/Vorarlberg geboren, aufgewachsen in Österreich und der Schweiz, studierte einige Semester Philosophie, Germanistik und Theologie in Zürich, dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. »Mon Chéri und unsere demolierten Seelen« ist nach ihrem Debüt »Verlangen nach Drachen« (2009), »Schwätzen und Schlachten« (2014) und »Ich war Diener im Hause Hobbs« (2018) ihr vierter Roman bei Kiepenheuer & Witsch.

Autorin und Künstlerin | Sarah Rinderer (Mai bis August 2021)
1994 in Bregenz geboren und in Hard aufgewachsen, studierte Bildende Kunst – Experimentelle Gestaltung und Angewandte Kultur- und Kunstwissenschaften an der Kunstuniversität Linz. Mehrere literarische Veröffentlichungen und Ausstellungsbeteiligungen. Ausgezeichnet unter anderem mit dem Vorarlberger Literaturpreis 2017, dem Kunstförderstipendium für Literatur und Kulturpublizistik der Stadt Linz 2019 und dem Barcelona Stipendium des Landes Vorarlberg 2020.

Autor | Christian Futscher (Januar – April 2021)
Christian Futscher, geboren 1960 in Feldkirch, studierte Germanistik und Romanistik in Salzburg, wohnt seit 1986 in Wien. Div. Jobs, u.a. als Pächter eines Stadtheurigen. Zahlreiche Publikationen und Übersetzungen, Zusammenarbeiten mit div. Schulen. Ausgezeichnet mit verschiedenen Preise, Stipendien und Aufenthaltsstipendien.

Autor | Günter Vallaster (September – Dezember 2020)
Günter Vallaster, 1968 in Schruns geboren, lebt in Wien. Autor, Herausgeber der edition ch (seit 2004), Sprachkursleiter, Literaturveranstalter- und Kurator sowie Mitarbeiter in sprach- und literaturwissenschaftlichen Projekten.

Partner_innen

#feldkirchenjoyce ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Feldkirch, der Literatur Vorarlberg und literatur:vorarlberg netzwerk.

Übrigens…

… detaillierte Informationen zu Joyce‘ Aufenthalt in Feldkirch sowie zu zahlreichen weiteren Literat:innen, welche die historische Vergangenheit der Stadt prägten, bietet Philipp Schöbi in der Publikation Das literarische Feldkirch an, die 2018 im Hohenemser Bucher Verlag erschienen ist.