Datum
12.09.2022
Ort
Feldkirch, Neustadt
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Kategorie
Projekt
Schlagworte
©FraukeKühn
Renate Pittroff: „Zwei Männer stehen 1932 am Bahnsteig und sehen dem Nachtexpress von Wien nach Paris nach. Der eine, James Joyce, sagt zum anderen: „Over there, on those tracks the fate of ‚Ulysses‘ was decided in 1915.“

Jenseits aller üblichen Joyce-Reflexe zeigt die bisherige Bespielung der James Joyce Passage in Feldkirch, für welche wir gemeinsam mit der Literatur Vorarlberg und der Stadt Feldkirch verantwortlich zeichnen, ungewöhnliche wie innovativ-spielerische Zugänge zu Literatur und Sprache. 

Nach ihrem Schwerpunkt zum Schaffen des irischen Schriftstellers öffnet sich die Passage nun für eine größere Bandbreite literarischer Themen. Renate Pittroffs Szenografie bezieht eine Aussage Joyce‘ („Dort drüben…“) ebenso ein, wie ein Gedicht von Armin Steigenberger, welches für den 20. Feldkircher Lyrikpreis in die Endrunde gewählt wurde. 

©FraukeKühn

Jeder Mensch ist schon mal am Bahngleis gestanden und hat einem Zug nachgeblickt, der zu so entfernten Sehnsuchtszielen wie Paris, Ostende oder Istanbul entschwand. 

Das war der Ausgangspunkt meiner Intervention in der James-Joyce-Passage: Ein ratternder Zug, ein ratternder Filmprojektor: beide produzieren Bilder, Wünsche und Träume. Züge und Filme katapultierten die Gesellschaft in die Moderne: Projektionen und Passagen. 

©FraukeKühn

Projektionen sind Passagen: die erleuchteten Fenster der Waggons des Nachtzugs und die erleuchteten Filmkader, sie führen in die Fremde und das Ungewisse. Sie geben Raum für Gedankenexperimente. Und so ein Gedankenexperiment unternimmt auch Armin Steigenberger in „WELTENBRAND 3a“. 

Der erste Weltenbrand, der erste Weltkrieg: 1915 Joyce war in Feldkirch am Bahnhof und befürchtete, ebenso wie sein Bruder, verhaftet zu werden. WELTENBRAND 3a verweist auf eine dritte Weltkatastrophe und das kleine a hinter der 3 ironisiert unsere Verunsicherung und Lähmung angesichts der Weltläufe, die so verworren wie unbeeinflussbar erscheinen. 

Die Tuschzeichnung nimmt mit ihren vertikalen und horizontalen Kalligraphien bezug auf diesen Zustand und umspielt damit den mit Gummilettern von Hand gedruckten Titel der Gedichte.“ (Renate Pittroff)




Im Rahmen des Projektes #feldkirchenjoyce verwandeln verschiedene Autor:innen die Unterführung zwischen Bahnhof und Altstadt in eine lebendige Erzählfläche. #feldkirchenjoyce ist eine Kooperation der Stadt Feldkirch mit der literatur:vorarlberg und dem literatur:vorarlberg netzwerk.

#feldkirchenjoyce | Autor_innen

Künstlerin | Renate Pittroff (September 2022 – Januar 2023)
Regisseurin, Performerin und bildende Künstlerin betreibt (gemeinsam mit Christoph Theiler) das Label und den Off-Space wechselstrom in Wien/Ottakring. Ihre Arbeiten für Theater (E. Jelinek: Hallo Mama!), Oper (Re-Entry-Oper für Oldenburg), Performance („Borderline Pasolini revisited“) und akustische Kunst (F. Mayröcker, P. Rosei) verwenden immersive und partizipative Modelle. Sie verwirklicht Projekte im Bereich Klanginstallation, Media Art und Social Sculpture. Ihre Videoinstallationen, Publikationen und experimentelle Kurzfilme beschäftigen sich u .a. mit den gesellschaftlichen Verwerfungen der Geldwirtschaft und dem Verhältnis von Natur und Kultur bzw. Technik. www.wechsel-strom.net 

Autorin | Verena Roßbacher (Juni bis September 2022)
1979 in Bludenz/Vorarlberg geboren, aufgewachsen in Österreich und der Schweiz, studierte einige Semester Philosophie, Germanistik und Theologie in Zürich, dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. »Mon Chéri und unsere demolierten Seelen« ist nach ihrem Debüt »Verlangen nach Drachen« (2009), »Schwätzen und Schlachten« (2014) und »Ich war Diener im Hause Hobbs« (2018) ihr vierter Roman bei Kiepenheuer & Witsch.

Autorin und Künstlerin | Sarah Rinderer (Mai bis August 2021)
1994 in Bregenz geboren und in Hard aufgewachsen, studierte Bildende Kunst – Experimentelle Gestaltung und Angewandte Kultur- und Kunstwissenschaften an der Kunstuniversität Linz. Mehrere literarische Veröffentlichungen und Ausstellungsbeteiligungen. Ausgezeichnet unter anderem mit dem Vorarlberger Literaturpreis 2017, dem Kunstförderstipendium für Literatur und Kulturpublizistik der Stadt Linz 2019 und dem Barcelona Stipendium des Landes Vorarlberg 2020.

Autor | Christian Futscher (Januar – April 2021)
Christian Futscher, geboren 1960 in Feldkirch, studierte Germanistik und Romanistik in Salzburg, wohnt seit 1986 in Wien. Div. Jobs, u.a. als Pächter eines Stadtheurigen. Zahlreiche Publikationen und Übersetzungen, Zusammenarbeiten mit div. Schulen. Ausgezeichnet mit verschiedenen Preise, Stipendien und Aufenthaltsstipendien.

Autor | Günter Vallaster (September – Dezember 2020)
Günter Vallaster, 1968 in Schruns geboren, lebt in Wien. Autor, Herausgeber der edition ch (seit 2004), Sprachkursleiter, Literaturveranstalter- und Kurator sowie Mitarbeiter in sprach- und literaturwissenschaftlichen Projekten.

Partner_innen

#feldkirchenjoyce ist ein gemeinsames Projekt der Stadt Feldkirch, der Literatur Vorarlberg und literatur:vorarlberg netzwerk.

Übrigens…

… detaillierte Informationen zu Joyce‘ Aufenthalt in Feldkirch sowie zu zahlreichen weiteren Literat:innen, welche die historische Vergangenheit der Stadt prägten, bietet Philipp Schöbi in der Publikation Das literarische Feldkirch an, die 2018 im Hohenemser Bucher Verlag erschienen ist.