Archiv der Träume Literaturhaus Campus

Literaturhaus Campus: Von Bienen, Engeln, Drachen und Träumen

Kindergarten Dorf Nenzing im Literaturhaus © Birgit Brida
„Darf ich meinen Traum im Literaturhaus besuchen kommen?“

Voller Neugier sind 24 Kinder aus dem Kindergarten Dorf Nenzing im Literaturhaus Vorarlberg auf die Suche nach Engeln, Bienen und Drachen sowie nach ihren schönsten Träumen gegangen. 

Nachdem am frühen, kalten Dezembermorgen alle Warnwesten, Jacken und Mini-Rucksäcke bestens an der historischen Garderobe der Familie Rosenthal verstaut waren, gingen die baldigen Schulanfänger:innen mit kleinen Suchaufträgen auf Entdeckungsreise und schärften dabei im dem großen Literaturhaus ihren Blick für das kleine, liebevolle Detail. In Begleitung des Literaturhaus-Teams und ihren Pädagoginnen waren die emsigen Bienen im alten Glasfenster, die träumenden Engel in der Deckenmalerei und die in der Holzverschnitzung gut versteckten wachen Drachen bald gefunden. 

Doch was machen Engel, Bienen und Drachen eigentlich in der Nacht? „Denken, Honig und Wache halten!“, waren die Antworten.

Tja, und wir Menschen? Wir schlafen und träumen! Manchmal gut, manchmal nicht so gut und manchmal können wir uns gar nicht daran erinnern, ob wir überhaupt geträumt haben. Gemeinsam mit dem kleinen Maulwurf Jonas aus dem Kinderbuch Was ist ein Traum? fragt Jonas von Hubert Schirneck (Jungbrunnen, 2011) haben die Kindergartenkinder dem Traum nachgespürt. Schnell war ihnen klar, was ihr schönster Traum ist: Von Fußball, einem Pferd, der Polizei, dem Weihnachtswichtel. Im letzten Teil des Vormittags sind aus diesen Traum-Ideen im Workshopraum des Literaturhauses vielfältige Zeichnungen entstanden. Einige davon sind mit den Kindern nach Hause gereist. Andere durften in der Schatztruhe und damit in das Archiv der Träume verbleiben, das derzeit in einem alten Schrank im Literaturhaus entsteht. Hier sammeln sich in den nächsten Jahren Träume von großen und kleinen, alten und jungen Träumer:innen, gemalt, geschrieben, in allen Sprachen, die in der Nacht gesprochen werden. 

„Darf ich dann mit meinem Papa ins Literaturhaus kommen und meinen Traum besuchen?“, fragt ein Junge. Natürlich! Wir finden, das ist sogar eine ganz besonders schöne Idee! 
Kindergarten Dorf Nenzing im Literarturhaus © Frauke Kühn
Die Träume der Kinder wandern im Literaturhaus ins Archiv der Träume © Frauke Kühn

Mit einem Abschlusslied, hundert gerufenen Dankeschöns und einem herzlichen Winken machten sich die fünf- bis sechsjährigen wieder auf den Weg zurück nach Nenzing. Zurückgelassen haben sie ein sehr berührtes Literaturhaus-Team und einen Teil ihrer Träume. Wir schicken ein herzliches Danke an Karin Milbich und ihr großartiges Team vom Kindergarten Dorf Nenzing, das sich mit so viel Begeisterung auch auf den etwas weiteren Weg gemacht hat!   

Das Archiv der Träume

Wovon träumen wir und an welche Träume erinnern wir uns nach dem Aufwachen? Träumen wir alle unterschiedlich oder gibt es Träume, die uns miteinander verbinden? Diesen Fragen spürt das Archiv der Träume im Literaturhaus Vorarlberg nach. Es lädt alle Besucher:innen dazu ein, ihre Träume aufzuschreiben, sie zu sammeln, in unserem Archiv zu bewahren und mit anderen zu teilen. Dafür öffnet sich ein wunderschöner Schrank aus dem 19. Jahrhundert, der zum Originalbestand der historischen Villa Franziska und Iwan Rosenthal gehört. 

Hier könnt ihr eure aufgeschriebenen Träume (anonym oder mit Namen) ablegen und das Archiv so im Laufe der kommenden Jahre stetig wachsen lassen. Wer sich in das Archiv einschreiben oder sich in die Traumwelten anderer vertiefen möchte, trifft eine bewusste Entscheidung, denn das Archiv ist verschlossen. Den Schlüssel dazu erhaltet ihr bei uns im Büro. So bleibt das Archiv ein geschützter Raum: für die Träume selbst und für jene, die sie lesen.