guestroom: Bücherliebe.lei

Im April begrüßten wir den Verein Bücherliebe.lei und Kati Hertzsch im guestroom. An diesem Abend gab die Lektorin Einblicke in ihre Arbeit und sprach mit Anna und Mario über ihre zentrale Tätigkeit: das Lesen und das Entdecken neuer Stimmen.
Als Literaturagentin und Lektorin im Diogenes Verlag erlebt sie immer wieder Wow-Momente in Manuskripten bislang unbekannter Autor:innen, die sie anschließend für den Verlag zu gewinnen versucht. Interessieren sich mehrere Verlage für eine neue Stimme, schreibe sie – so Kati Hertzsch – „Liebesbriefe“ an die künftigen Autor:innen, um sie von sich und ihrem Verlag zu überzeugen. „Ich bin bekannt für meine schönen Liebesbriefe“, sagt sie lachend auf der Literaturhausbühne. Ob sie einen solchen Brief verfasst, entscheidet sich oft schon nach der ersten halben Seite – denn bereits dann „muss man wissen, ob ein Text funktioniert oder nicht.“
Im Kern besteht ihre Tätigkeit in der sprachlichen Feinarbeit: Wiederholungen werden reduziert, Texte gestrafft, verdichtet und gekürzt, Dialoge lebendiger gestaltet. Ihre Arbeit am Manuskript vergleicht sie mit der eines Staubsaugers, der die Krümel aus einem Text entfernt. Gleichzeitig ist es ihr ein zentrales Anliegen, Autor:innen ihre eigene Stimme zu lassen und den Stil eines Textes nicht zu verändern. Eine ebenso wichtige Rolle spielt die sorgfältige Recherche. Spielt etwa ein Kriminalroman in den 1920er-Jahren und eine Figur wird darin mit einer Plastiktüte erstickt, ist es entscheidend zu wissen, dass es diese damals noch gar nicht gab – und es muss eine andere Mordwaffe gewählt werden, erzählt sie mit einem Lachen. Auf diese Weise habe sie sich ein beachtliches Spezialwissen angelesen.



Neben der Rolle von KI im Lektorat und verschiedenen Arbeitsprozessen im Verlag spricht sie an diesem Abend auch über ihren Ausbildungsweg, der sie auf Umwegen zum Diogenes Verlag und schließlich zu ihrer eigenen Literaturagentur Greta schreibt geführt hat. Die Frage, warum sie selbst keine Autorin, sondern Lektorin geworden sei, beantwortet Kati Hertzsch mit einem Vergleich: Autor:innen seien Künstler:innen, die etwas erschaffen – sie hingegen verstehe sich als Handwerkerin, die Texte bearbeitet.
Besonders wichtig ist ihr die gute Zusammenarbeit mit „ihren“ Autor:innen. „Man bringt ja gemeinsam ein Baby auf die Welt“, betont sie. Natürlich gebe es da unterschiedliche Ansichten darüber, wie man es anziehen und erziehen sollte, doch gerade die Diskussionen darüber seien bereichernd. Am Ende habe jedoch immer der/die Autor:in das letzte Wort.
Auf die Frage nach einem abschließenden Statement erinnert Kati Hertzsch daran, dass wir alle Konsument:innen sind. Man sollte sich jedoch bewusst machen, wie viel Arbeit, Kampf, Zweifel, Verzweiflung, aber auch Begeisterung in einem Buch stecken. Vielleicht, so die Lektorin, fällt unser Urteil dann mitunter weniger hart aus.
Seit mehr als fünfzehn Jahren arbeitet Kati Hertzsch als Lektorin für deutschsprachige Autor:innen und Übersetzungen, für Kinderbücher und Kunstbücher u.a. für den Ch. Links Verlag, für Bloomsbury Berlin und die Diogenes Verlag AG. Seit 2022 begleitet sie mit ihrer Agentur gretaschreibt.com angehende Autor:innen im Schreibprozess und bei der Veröffentlichung ihrer Bücher. Kati Hertzsch lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Neun buchbegeisterte Menschen, ein gemeinsames Ziel: Aus dem stillen Lesehobby ein lebendiges Miteinander machen. Seit 2021 trifft sich die Bücherliebe.lei etwa einmal im Monat, um gemeinsam über ein ausgewähltes Buch zu diskutieren – offen, kritisch und mit viel Herzblut. Doch sie wollen mehr: Feldkirch soll ein literarischer Hotspot werden! Dafür holen sie Autor:innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nach Vorarlberg. Gäste wie Mareike Fallwickl, Caro Wahl, Jaqueline Scheiber und demnächst auch Takis Würger bereichern das Jahresprogramm. Sie weben Literatur in den Alltag Feldkirchs – bei Lesungen, „Coffee & Books“ im Café Momo oder gemeinsamen Projekten wie mit dem Verein Aufblüherei und bald vielleicht auch bei „Feldkirch liest“, Bücherflohmärkten oder stillen Lesestunden. Das Ziel: Orte schaffen, an denen Geschichten Menschen verbinden, egal ob als Zuhörer:in, Gesprächspartner:in oder einfach als stille Genießer:in guter Worte. Mehr dazu auf Instagram: @buecherliebe.lei
Mehrmals im Jahr lädt das Literaturhaus Vorarlberg die vielfältigen Initiativen der Vorarlberger Literaturszene mit ihren eigenen Lieblingsformaten in den guestroom ein. Auf diese Weise wird die reiche und lebendige Vorarlberger Literaturlandschaft direkt auf der Bühne des Literaturhauses sichtbar und du kannst ihre spannenden Programmideen erleben und dich zu Besuchen dieser wertvollen Orte inspirieren lassen.






