guestroom: Literaturhaus Liechtenstein

Wie liest sich Liechtenstein? Was prägt das Schreiben unserer Nachbar:innen? Während die September-Abendsonne sachte ins ehemalige Esszimmer der Villa Franziska und Iwan Rosenthal scheint, bittet Roman Banzer beim guestroom des Literaturhauses Liechtenstein nacheinander die Autor:innen Anna Ospelt, Mathias Ospelt, Ruth Mairvongrasspeinten und Simone Olivadoti auf die Bühne. Mit musikalischer Begleitung von Werner Hasler und Wilfried Marxer haben die fünf Liechtensteinbotschafter:innen ihre literarischen Werke in herbstlicher Atmosphäre im besten Licht präsentiert!
Anna Ospelt, Mathias Ospelt, Ruth Mairvongrasspeinten und Simone Olivadoti nahmen uns mit kurzen Lesestellen mit auf eine Reise durch die aktuelle Gegenwartsliteratur Liechtensteins. Zwischen Vaduz und Triesen, mit einem kurzen Abstecher nach Südtirol, bis nach Zürich brachten die Autor:innen facettenreiche Texte auf die Literaturhaus-Bühne.

Ausgehend von der langen Textilgeschichte Liechtensteins lässt Anna Ospelt ihre Erzählerin zu einer unbekannten Weberin sprechen, die lange vor ihrer Zeit lebte. Gemeinsam lässt die Autorin die beiden Frauen über das Leben nachdenken: Was wurde von Frauen und Arbeiterinnen früher erwartet, was heute? Welche Spielräume und Möglichkeiten gab und gibt es? Und wie steht das eigene Leben in Kontrast dazu?

Einen Sprung in die 1970er Jahre macht Mathias Ospelt in seinem Leseteil aus seinem Roman „Guferwald“, der in Kürze erscheint: Wir lauschen dabei Gesprächen zwischen Freund:innen in einem Probelokal und Eheleuten beim Abendessen. Es kündigt sich bereits an, was im Roman im Mittelpunkt stehen wird: ein nie geklärter Mordfall.

In 12 Miniaturen zeichnet Ruth Mairvongrasspeinten ein ganzes Leben nach: Von der Geburt und dem Aufwachsen, bis zum ersten Verliebtsein, dem unstillbaren Drang nach Abenteuer und schlussendlich bis zum Tod folgt sie dabei ihrer Figur, und setzt sie in den Mittelpunkt des Universums.

Simone Olivadotis Figur Elly aus seinem Manuskript „Elly. Auf philosophischen Irrwegen“ beschäftigt sich mit Identität, Verlust, Angst und Liebe. Getrieben von der Frage danach, was real ist und was nicht, führt sie Dialoge mit dem eigenen Spiegelbild, mit dem Spiegel-Ich. Hinter allem liegt der Versuch, den Suizid der eigenen Mutter verarbeiten zu können.
Die Stimmen der vier Autor:innen fanden eine ganz besondere Umrahmung: Die Steiner Literaturcombo mit Roman Banzer und Musik von Werner Hasler und Wilfried Marxer begleitete die Texte mit passenden Lied-Gedichten und sanften Klängen. Im Esszimmer entstand dadurch eine Atmosphäre, die dazu eingeladen hat, sich zurückzulehnen und sich ganz in Text und Musik fallen zu lassen.
Beim gemeinsamen Apéro fand der Abend einen gemütlichen Ausklang. Der Büchertisch der Denkerei wartete mit einer feinen Auswahl an Büchern der Autor:innen und war der Mittelpunkt weiterer schöner Gespräche.
Dieser Abend voller hochkarätiger Stimmen machte deutlich, wie vielfältig und facettenreich die Literaturlandschaft in Liechtenstein ist!
Wir danken dem Literaturhaus Liechtenstein für die so schöne Zusammenarbeit





Simone Olivadoti ist Schriftsteller und Philosoph. Zusammen mit dem Künstlerkollektiv „Feuerzeug“ hat er 2025 sein erstes Buch „HOT“ publiziert. Zurzeit arbeitet er an seiner Dissertation zu Gottlob Freges Theorie des Denkens sowie an seinem Debütroman „Elly. Auf philosophischen Irrwegen“, aus dem er vorgelesen hat.

Ruth Mairvongrasspeinten schreibt lyrische Miniaturen, Gedichte und kurze Prosatexte – Beobachtungen von Sprache, Klang und Augenblick. Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin wirkt sie in der Programmarbeit des Literaturhauses Liechtenstein mit, ist Mitglied der Schreibgruppe „kollektiv22“ und leitet Workshops rund um das Schreiben und die Sprache.

Anna Ospelt, * 1987, veranstaltet regelmäßig Schreibwerkstätten, lektoriert und mentoriert. Gänge in die Natur und der Austausch mit anderen Kunstschaffenden sind wichtige Bestandteile ihrer Arbeit.
Für ihre Bücher „Wurzelstudien“ und „Frühe Pflanzung“ erhielt Anna Ospelt u. a. ein Stipendium im Rahmen des Deutschen Preises für Nature Writing und war 2x für den Clemens-Brentano-Preis nominiert. Anna Ospelt lebt mit ihrer Familie in Vaduz.

Mathias Ospelt (*1963) ist u. a. als Literat, Auftragsschreiber, Satiriker und Veranstalter („Liechtensteiner Literaturtage“ und „Kleintheater Schlösslekeller“) tätig. Zuletzt erschienen der Kurzgeschichtenband „Wege. Gänge.“, die Satire „Originale“ sowie sein Romanerstling „Ebaholz“. Er ist Präsident des P.E.N.-Clubs Liechtenstein und Mitglied von „Krimi Schweiz“.

Steiner Literaturcombo mit Werner Hasler (Bass), Wilfried Marxer (Gitarre) und Roman Banzer, der für verschiedene Musikformationen trommelt und Gedichte und Kurzerzählungen schreibt.
Mehrmals im Jahr lädt das Literaturhaus Vorarlberg die vielfältigen Initiativen der Literaturszene in Vorarlberg und darüber hinaus mit ihren eigenen Lieblingsformaten in den guestroom ein. Auf diese Weise wird die reiche und lebendige Literaturlandschaft direkt auf der Bühne des Literaturhauses sichtbar und du kannst ihre spannenden Programmideen erleben und dich zu Besuchen dieser wertvollen Orte inspirieren lassen.






