Literaturhaus goes gender*impulstage
Make Gender Roles Great Again? Die gender*impulstage der Amazone haben sich 2025 mit einem Thema befasst, das uns auch im Literaturhaus beschäftigt: Wie geht man in der Arbeit mit Jugendlichen damit um, wenn das Geschlechterverständnis und Erwartungen wieder traditioneller und konservativer werden? Der Nachmittag mit den Expert:innen hat uns wertvolle Einblicke und neue Perspektiven gegeben!

Die Fachtagung gender*impulstage, die bereits zum 17. Mal vom Verein Amazone organisiert wurde, widmete sich in diesem Jahr der Frage, wie patriarchale Männerbilder, Abwertung von Frauen* und LGBTQIA+ Personen sowie traditionelle Rollenverständnisse vor allem in den Sozialen Medien zu Retraditionalisierung und Radikalisierung führen. Im Mittelpunkt stand dabei, was das für die Arbeit mit Jugendlichen bedeutet und welche didaktischen Ansätze und Tools es gibt, um darauf zu reagieren. Da wir als Literaturhaus immer wieder in Workshops mit Schulklassen und Lehrlingen zusammenarbeiten, liegt es uns am Herzen, solche gesellschaftlichen Tendenzen im Blick zu behalten und kompetent damit umgehen zu können.

Stattgefunden hat die Fachtagung im Landhaus in Bregenz, wo wir Teilnehmer:innen bereits beim Ankommen mit einem vielfältigen und anregenden Programm erwartet wurden: GoWest, Verein für LGBTQIA+, hat uns mit verschiedenen Infomaterialien zu queeren Themeen sowie einem Büchertisch mit feministischen und queeren Büchern begrüßt. Hier hat Marina auch mehr als nur eine Inspiration für unsere Bücherboxen gefunden!
Die Projektstelle #OhneAngstVerschiedenSein des Jüdischen Museums Hohenems hat beim Stand mit (ausgedruckten) Bildern von Emojis darauf aufmerksam gemacht, wie diese in rechten Online-Communities eingesetzt werden, um rassistische, antisemitische und menschenfeindliche Inhalte zu verbreiten. Es war eindrucksvoll und gleichzeitig beängstigend, wie schnell und unkompliziert vermeintlich harmlose Symbole menschenfeindliche Bedeutungen transportieren können.
Eine einfache Methode, die zum Denken anregt, bot der Stand der Amazone: Hier konnten wir bei einem interaktiven Spiel drei Lieblingsbilder aus einem Stapel verschiedenster Fotos auswählen – eine anschauliche Demonstration dafür, wie personalisierte Algorithmen, etwa auf Instagram, unsere Wahrnehmung und Online-Bubble prägen.
Anschließend eröffnete Eşim Karakuyu von der bOJA Beratungsstelle Extremismus die Fachtagung mit ihrem spannenden Input zum Thema „Von ‚Clean girls‘ und ‚Alpha Males‘: Die Funktion von Gender in Radikalierungsprozessen“. Sie zeigte sehr deutlich, wie Jugendliche bei der Suche nach Identität, Zugehörigkeit und Teilhabe auf Social Media in den Rollen von „Clean Girls“ und „Alpha Males“ – die traditionelle Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit reproduzieren – scheinbar einfache Lösungen auf komplexe Fragen finden. Eşim Karakuyu plädiert aber für Verständnis und auch dafür, die sozialen Netzwerke nicht zu verteufeln, sondern mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Im Vorfeld konnten wir uns für eine von zwei Denkfabriken anmelden. Marina hat sich (dabei) für die Denkfabrik mit der Amazone und GoWest entschieden, in der es um Sexismus und Queerfeindlichkeit in der Arbeit mit Jugendlichen ging. In vier Stationen wurde uns in dieser Denkfabrik gezeigt, welche Methoden die beiden Vereine in ihrer Arbeit mit Jugendlichen nutzen: einerseits um Begrifflichkeiten für Identitäten und Sexualität näherzubringen und andererseits um Vorurteile gegenüber queeren Personen sichtbar zu machen und diese abzubauen. Bei allen Stationen waren wir zum Mitmachen eingeladen – und wurden auch dazu herausgefordert, eigene Verhaltensmuster und Denkweisen kritisch zu hinterfragen.

Wir danken der Amazone für diese informative und wichtige Fachtagung, die uns spannendes Hintergrundwissen und wertvolle Tools mitgegeben hat! Der Austausch mit den Expert:innen war wertvoll und bereichernd. Wir freuen uns, dass wir bei dem Nachmittag dabei sein konnten!






