Michael Köhlmeier Michael Köhlmeier & friends

Michael Köhlmeier & friends mit Doron Rabinovici: Der Witz

Michael Köhlmeier und Doron Rabinovici zelebrieren den Witz
©Marina Höfler
Michael Köhlmeier und Doron Rabinovici zelebrieren den Witz ©Marina Höfler
Michael Köhlmeier & friends: Der Witz – Die literarische Minidramaturgie

Die beiden Autoren Michael Köhlmeier und Doron Rabinovici haben einen Abend lang die wohl kleinste Dramaturgie der Literatur in den Fokus gestellt: den Witz. Diese kurze literarische Form ist eine der raffiniertesten. In wenigen Sätzen entfaltet der Witz seine gesamte Dramaturgie: Figuren treten auf, ein Spannungsbogen entsteht, Erwartungen werden aufgebaut, um dann mit einem Schlag gebrochen zu werden.

Das schier unerschöpfliche Repertoire von Michael Köhlmeier und Doron Rabinovici, hat der Behauptung, dass man über Witze lacht, sich diese aber nicht merkt, getrotzt. Schallendes Gelächter, Lachtränen und Staunen ob der darstellerischen Leistung der beiden Autoren haben den Besucher:innen einen unbeschwerten und vergnüglichen Abend bereitet. Die Bandbreite an Themen ist schier unendlich und verbindend: sei es die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen oder Witze über Autoritäten und Identitäten, aber auch die Methodik Witze der Unfreundlichkeit der Welt entgegenzusetzen und diese zu verlachen.

Michael Köhlmeier und Doron Rabinovici setzten die kulturellen Eigenheiten, das feine Zusammenspiel von Sprache, Erwartungshaltung und Timing für einen Abend auf der Bühne des Literaturhauses perfekt in Szene. Ein Abend über die Präzision des Komischen, darüber, wie viel Welt in wenigen Worten stecken kann.

Wir danken Michael Köhlmeier und Doron Rabinovici, dass sie eindrucksvoll vorgeführt haben, wie entscheidend die Kunst des Vortrags zum Lachen verführt!

Ob allein oder im Gespräch mit Gästen – in dieser neuen Reihe des Literaturhauses Vorarlberg nimmt Michael Köhlmeier Themen in den Blick, die ihn beschäftigen: philosophische Fragen, literarische Stoffe aus Vergangenheit und Gegenwart oder auch die Dynamik, mit der Sprache unsere Gesellschaft in bewegt. Mal erzählt er aus eigener Perspektive, mal geht er mit Freund:innen und Weggefährt:innen in den Dialog.

Doron Rabinovici

Doron Rabinovici, 1961 in Tel Aviv geboren, in Wien aufgewachsen, ist Schriftsteller und Historiker. Sein Werk umfasst Kurzgeschichten, Romane und wissenschaftliche Beiträge. In Österreich hat er immer wieder prominent Position gegen Rassismus und Antisemitismus bezogen. Für sein Werk wurde er zuletzt mit dem Anton-Wildgans-Preis und dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln ausgezeichnet.

2022 erschien im Suhrkampverlag sein Buch Die Einstellung. Ein Roman, in dem Doron Rabinovici mit Witz, Ironie und Fabulierlust von einer immer stärker polarisierten Gegenwart, einer zunehmend gespaltenen Gesellschaft erzählt. Es geht um die Relativierung von Fakten, die Anziehungskraft des Autoritären, die Macht der Bilder. Es geht um den Kampf eines Populisten gegen einen Fotografen, der genau weiß, dass jede Aufnahme Zeugnis einer Einstellung ist.

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier, 1949 in Hard am Bodensee geboren, lebt in Hohenems/Vorarlberg und Wien. Bei Hanser erschienen die Romane »Abendland« (2007), »Madalyn« (2010), »Die Abenteuer des Joel Spazierer« (2013), »Spielplatz der Helden« (2014, Erstausgabe 1988), »Zwei Herren am Strand« (2014), »Das Mädchen mit dem Fingerhut« (2016), »Bruder und Schwester Lenobel« (2018), »Matou« (2021), »Frankie« (2023) und zuletzt »Das Philosophenschiff« (2024), außerdem die Gedichtbände »Der Liebhaber bald nach dem Frühstück« (Edition Lyrik Kabinett, 2012) und »Ein Vorbild für die Tiere« (Gedichte, 2017) sowie die Novelle »Der Mann, der Verlorenes wiederfindet« (2017), »Die Märchen« (mit Bildern von Nikolaus Heidelbach, 2019) und »Das Schöne« (59 Begeisterungen, 2023).

Michael Köhlmeier wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. 2017 mit dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie dem Marie Luise Kaschnitz-Preis für sein Gesamtwerk und 2019 mit dem Ferdinand-Berger-Preis. (Quelle)