Nicolas Mahler: Komplett Kafka
»Du, ich war einmal ein großer Zeichner«, schrieb Franz Kafka 1913 an seine Dauerverlobte Felice Bauer über seine künstlerischen Ambitionen. Sein Zeichnen hätte ihn einst »mehr befriedigt als irgendetwas«.
Gleichzeitig zeigte sich Kafka aber auch misstrauisch gegenüber fremden Illustrationen seiner Bücher. Als es an die Umschlaggestaltung seiner Erzählung Die Verwandlung ging, argwöhnte er, dass der beauftragte Illustrator vorhaben könnte, den Käfer zeichnen zu wollen.
„Das nicht, bitte das nicht! Das Insekt selbst kann nicht gezeichnet werden. Es kann aber nicht einmal von der Ferne aus gezeigt werden.“ schrieb Kafka an seinen Verleger Kurt Wolff.
Und wie hätte Kafka darauf reagiert? Darüber kann man nur spekulieren.
Vielleicht hätte ihn dieses Unterfangen auch amüsiert, schrieb er doch
an Felice in einem anderen Brief: „Ich kann auch lachen, Felice, zweifle nicht daran. Ich bin sogar als großer Lacher bekannt.“
Im Literaturhaus Vorarlberg zeigt Nicolas Mahler bis zum 13. Juni 2025 etliche Drucke aus seiner gezeichneten Biografie „Komplett Kafka“ (Suhrkamp Verlag, 2023).

Geboren 1969 in Wien, führt eine Doppelexistenz als Witzzeichner und Literaturbearbeiter. Seine Cartoons erscheinen in zahlreichen Zeitungen und Magazinen, seine gezeichneten Adaptionen klassischer Literatur (u.a. nach Thomas Bernhard, Robert Musil, Marcel Proust, James Joyce
und Elfriede Jelinek ) großteils im Verlag Suhrkamp, Berlin.
wurde 1883 in Prag geboren und starb 1924 in Kierling, Österreich. Er arbeitete für Versicherungsgesellschaften, schrieb in deutscher Sprache und hätte den Großteil seines Werkes lieber vernichtet gesehen. Heute gehören seine Texte zu den Klassikern der Weltliteratur.






