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Read & Meet: Wo es um Bücher und viel mehr geht

Junge Menschen. Ein Tisch. Ein Buch, das nicht alle gleich gelesen haben. Genau da wird es interessant.

Bei Read & Meet, dem Buchclub für Menschen zwischen 17 und 30 Jahren, geht es nicht darum, ein Buch „richtig“ zu verstehen. Es geht darum, was passiert, wenn unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen. Wenn jemand eine Figur liebt und die nächste in der Leserunde diese Figur komplett ablehnt. Wenn plötzlich eine Szene hängen bleibt, über die vorher niemand nachgedacht hat.

Alle sechs Wochen trifft sich die Gruppe im Literaturhaus Voralberg. Im Wintergarten wird diskutiert, gelacht, manchmal auch widersprochen. Neue Personen kommen dazu, andere bringen Freundinnen mit. Was gelesen wird, entscheidet die Runde selbst. Dafür werden Vorschläge von allen gesammelt und dann ausgelost. Bei Read & Meet kann jede:r so lesen, wie gewünscht: auf Deutsch oder Englisch, quer durch alle Genres. Was daraus am Ende entsteht, ist weit mehr als ein Buchgespräch. Es ist ein Raum, in dem sich alle trauen, eine Meinung zu haben oder sie zu ändern.

Selina Burtscher auf der Treppe des Literaturhauses © Frauke Kühn
Selina Burtscher © Frauke Kühn

Selina Burtscher, 20 Jahre alt, hat diesen Buchclub vor gut einem halben Jahr im Literaturhaus gegründet und moderiert ihn seitdem regelmäßig.

Und, Selina? Wie läuft’s?

Selina: „Manchmal würde ich am liebsten ein paar Kapitel in meinem eigenen Leben vorspringen, um zu sehen, ob ich auf dem richtigen Weg bin.“


Erinnerst du dich noch an das erste Buch, das dich so richtig begeistert hat?
Das erste Buch, das mich so richtig begeistert hat, war „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins. Zuerst haben mich die Filme total in den Bann gezogen, danach habe ich die Bücher gelesen und sie noch mehr geliebt. Besonders beeindruckt hat mich die Hauptfigur Katniss. Ihre Stärke und ihr Mut waren für mich sehr inspirierend, deshalb war sie für mich ein echtes Vorbild.

Gerade zu dieser Zeit musste ich selbst ein Korsett tragen, weil ich Skoliose hatte, und mir hat oft das Selbstvertrauen gefehlt. Die Bücher haben mir in dieser Phase wirklich geholfen, stärker an mich zu glauben und mutiger zu sein.

Das Besondere an den Büchern ist für mich außerdem, dass sie einen Bezug zur Realität haben und gesellschaftliche Themen widerspiegeln, über die man auch nach dem Lesen noch nachdenkt.


Was machst du, wenn du nicht im Literaturhaus bist?
„Ich mache aktuell eine Lehre als Applikationsentwicklerin im dritten Lehrjahr. Insgesamt dauert die Ausbildung vier Jahre, danach bin ich ausgebildete Programmiererin.

In meiner Firma bin ich unter anderem dafür zuständig, bestehende Programme zu verbessern, neue Anwendungen zu entwickeln, Server zu überwachen und Dokumentationen zu erstellen. Struktur, Kreativität und Organisation sind mir dabei sehr wichtig, das zieht sich sowohl durch meinen Beruf als auch durch meinen Buchclub.

In meiner Freizeit lese ich gerne, mache Yoga und treffe mich mit Freunden. Ich versuche, eine gute Balance zu finden. Generell möchte ich im Leben noch viel lernen und bin offen für neue Erfahrungen. Mir ist es wichtig, aus allem, was ich mache, etwas mitzunehmen und mich kontinuierlich weiterzuentwickeln.“


Welche Rolle spielt das Lesen in deinem Alltag?
„Lesen spielt für mich eine wichtige Rolle, weil ich dabei komplett aus dem Alltag entfliehen kann. Ich tauche in andere Welten ein, egal ob Fantasy, Krimi, Romane oder Romanze, und kann dabei richtig abschalten. Außerdem mag ich beim Lesen die Möglichkeit, mich in verschiedene Charaktere hineinzuversetzen und deren Perspektiven zu erleben. Außerdem finde ich es es auch spannend, wie unterschiedlich Geschichten wahrgenommen werden. Jeder interpretiert ein Buch anders. Genau das macht Lesen für mich so interessant.

Früher war das allerdings ganz anders: In der Volksschule hatte ich Schwierigkeiten mit dem Lesen und musste viele Leseübungen machen. Dadurch hatte ich lange keine Freude daran. Erst später habe ich für mich die richtigen Bücher entdeckt und seitdem das Lesen lieben gelernt. Mit „Die Tribute von Panem“ hat für mich alles begonnen.“


Wie bist du auf die Idee gekommen, deinen eigenen Buchclub zu starten?
Die Idee ist beim Tag der offenen Tür im Literaturhaus entstanden. Meine Mama ist dort mit Frauke ins Gespräch gekommen, und sie hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, einen Buchclub zu starten.

Ich wollte eigentlich schon immer Teil eines Buchclubs sein, hätte mich aber nie getraut, selbst einen zu gründen. Ich dachte, das ist zu groß für mich, und ehrlich gesagt hatte ich auch Zweifel, ob überhaupt jemand kommen würde. Erst durch die Unterstützung meiner Mama, meiner Familie und des Literaturhauses habe ich den Schritt gewagt. Jetzt bin ich total froh und dankbar.

Selina: „Besonders schön sind die Momente, wenn ich merke, dass es mich als Moderatorin gerade gar nicht braucht.“

Was passiert dann konkret an so einem Abend?
Read & Meet“ funktioniert so: Wir treffen uns alle sechs Wochen und sprechen gemeinsam über ein Buch, das wir vorher zusammen auswählen oder auslosen. Dabei geht es nicht nur um die Handlung, sondern auch um unsere persönlichen Meinungen, Gefühle und Gedanken dazu. Mir ist wichtig, dass der Buchclub offen und entspannt ist, ohne Druck. Einfach ein Ort, an dem man gerne über Bücher spricht und neue Perspektiven kennenlernt.

Ich bereite die Treffen auch vor: Ich markiere mir Szenen, Zitate, Dynamiken zwischen den Charakteren oder auch sogenannte „Red Flags“ und „Green Flags“. Diese schreibe ich auf kleine Zettel, die ich am Anfang auf den Tisch lege. Die Teilnehmer ziehen dann einen oder mehrere Zettel, und wir sprechen darüber. Falls das Gespräch einmal ins Stocken gerät, habe ich zusätzlich Fragen vorbereitet. So entsteht ein guter Gesprächsfluss, und jeder hat die Möglichkeit, sich einzubringen. Ich merke, dass ein Gespräch wirklich gut läuft, wenn sich alle aktiv beteiligen, ihre Meinungen teilen und auch aufeinander eingehen. Besonders schön ist es, wenn eine Diskussion von selbst entsteht und ich sie kaum noch lenken muss.

Mir ist außerdem wichtig, dass der Buchclub gemeinsam wächst. Die Teilnehmerinnen und ich gestalten und entwickeln den Club gemeinsam weiter. Dass wir alle unsere Ideen jederzeit einbringen, macht unsere Gruppe so besonders. Ich bin sehr glücklich, dass wir so eine tolle Gemeinschaft geworden sind und freue mich über jede neue Person, die dazukommt.

Selina: „Alle können einfach kommen, zuhören oder mitreden, ganz so, wie sie sich wohlfühlen.“

Was hat dich bisher am meisten überrascht?
Mich hat vor allem überrascht, wie unterschiedlich ein und dasselbe Buch wahrgenommen werden kann. Manche finden eine Figur total sympathisch, während andere sie kritisch sehen. Diese unterschiedlichen Meinungen machen die Gespräche besonders spannend, auch im Hinblick auf gesellschaftliche Themen.

Kannst du alle Teilnehmer:innen schon vorher?
Nein, viele sind zwar Freunde von mir, aber sie kannten sich untereinander nicht. Außerdem gibt es auch Mitglieder, die ich vorher gar nicht kannte. Dadurch ist eine gut durchmischte neue Gruppe entstanden.

Warum sollte eine Person unbedingt zu Read & Meet kommen, die jetzt vielleicht noch zögert?
Weil es keinen Druck gibt. Man kann einfach kommen, zuhören oder mitreden, ganz so, wie man sich wohlfühlt. Es ist eine tolle Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen und sich über Bücher auszutauschen.

Welches Buch möchtest du allen unbedingt ans Herz legen?
Oh, da gibt es einige Bücher. Gerade sitze ich im Garten und denke an „One Day“ von David Nicholls, das wir erst kürzlich im Buchclub gelesen haben. In dem Buch geht es um verpasste Chancen und das richtige Timing im Leben. Seit ich es gelesen habe, denke ich selbst oft darüber nach, ob ich vielleicht Chancen verpasst habe oder wie Entscheidungen meinen Lebensweg beeinflussen.

Dieses Buch regt dazu an, über das eigene Leben nachzudenken. Es zeigt auf eine ehrliche und realistische Weise, wie wichtig Entscheidungen und Timing sind und wie sehr sie unseren Lebensweg prägen können. Gleichzeitig sind die Figuren so menschlich und nahbar, mit all ihren Stärken und Schwächen, dass man sich in vielen Momenten selbst darin wiedererkennt. Genau das macht die Geschichte so berührend und nachhaltig.

Read & Meet klingt ganz nach dir?

Dann komm vorbei! Das nächste Read & Meet findet am Donnerstag, 21. Mai 2026 von 18-19 Uhr im Literaturhaus Vorarlberg statt. Gesprochen wird über This Love is Forever – The Maxwells, Part 1 von Layla Hagen. Read & Meet funktioniert ohne Eintritt, wir freuen uns aber, wenn du Martina eine kurze Mail schreibst, dass du dabei sein wirst: anmeldung@literatur.ist!

Selina, alle vom Buchclub und das Team des Literaturhauses freuen sich auf dich!