Forum Text 1: Sprache in der Werkstatt
Es sind besondere Abende, wenn Autor:innen ihre Texte öffnen, obwohl diese noch nicht fertig sind. Wenn die Schreibenden zeigen, woran sie gerade arbeiten. Wenn nicht die Antworten, sondern die Fragen sichtbar werden und im Mittelpunkt stehen. Mit der ersten Scratch Night im Literaturhaus Vorarlberg haben die Autor:innen Laura Bernhardt, Johannes Bretschneider, Dora Yuemin Cheng, Caroline Docar, Florian Maier, Mathias Müller und Ana Trpenoska, begleitet von Regisseurin und Dramaturgin Sandra Schüddekopf und Autor Peter Waterhouse genau diesen Moment im Literaturhaus lebendig werden lassen.
Gemeinsam mit dem Publikum lasen sie an verschiedenen Tische ihre noch unfertigen Hörspiel- oder auch Theatertexte in verteilten Rollen und stellten ihre Texte im Abschluss zur Diskussion. Ausgehend davon, was den Lesenden am Text auffällt, welches Bild oder Gefühl, welche Bedeutung oder welche Irritation bleiben, öffneten sich Gespräche rund um die Fragen: Was lese ich? Was höre ich? Was steht im Text?








Von dort aus war es nur ein kurzer Weg zu den Themen, die sich in einem nächsten Schritt mit der Aufführung der Texte beschäftigten: Wie kann die Bühne zeigen, was den Text ausmacht und ihm wichtig? Aus welchen Möglichkeiten kann ein Text schöpfen, wenn er als Hörspiel gedacht ist? Der Vorarlberger Autor Mathias Müller, Teil der Gruppe Forum Text 1, erzählte von einer ganzen Textpassage seines Hörspiels, die sich in der Umsetzung zum Hörspiel am Ende in ein einziges Geräusch verwandelt hat.
Moderiert wurden diese leisen, engagierten und so präzisen Gespräche zwischen den Autor:innen und dem begeisterten Publikum an den verschiedenen Tischen von den Autor:innen selbst sowie von Sandra Schüddekopf und Peter Waterhouse.
Die Scratch Night war Teil eines intensiven Werkstattaufenthalts der Schreibgruppe. Von Donnerstag bis Sonntag schlug das FORUM Text 1 im Gelben Salon des Literaturhauses seine Zelte auf, um dort zu arbeiten. Nach dem gleichen Prinzip der Scratch Night, allerdings ohne Publikum, wurden die Texte der sieben Autor:innen hörbar gemacht und im Gespräch befragt. Wenn es um ihren eigenen Text ging, hörten die Autor:innen selbst bei dieser Diskussion nur zu. Denn auch hier ging es nicht darum, was die Schreibenden zu ihren Texten zu sagen haben, sondern was die Lesenden in diesen Texten auffinden und was sie zur Sprache bringen wollen. Während der vier Tage dringen immer wieder abwechselnd konzentrierte Stille, der Dialog und gelöstes Gelächter aus dem Gelben Salon durch die historischen Türen ins Büro des Literaturhauses.


Bei der Abreise am Sonntag blickt die Gruppe auf sieben intensive, mehrstündige Arbeitsrunden in vier Tagen zurück. Auf sieben Reisen durch komplexe, vielschichtige Textwelten, hin zu Bedeutungen und Fragen, die sich im gemeinsamen Lesen entfaltet und Sprache in der Werkstatt sichtbar gemacht haben.
Es war uns eine große Freude, das Format der Scratch Night, die Arbeitsweise des Forums Text 1, die Autor:innen sowie ihre Mentor:innen Sandra Schüddekopf und Peter Waterhouse kennenlernen zu dürfen. Wir haben große Freude, wenn dieser Besuch der Auftakt für weitere Zusammenarbeiten jedweder Art sein möchte.

© Frauke Kühn
Das DRAMA FORUM Graz ist eine Initiative von uniT – eine Kulturinitiative zur Förderung von (junger) Kunst und (jungen) Künstler:innen, innovativen Positionen und Programmen, mit zwei besonderen Arbeitsschwerpunkten: DRAMA FORUM und KUNSTLABOR. Das DRAMA FORUM besteht aus den Bausteinen Retzhofer Dramapreis und FORUM Text: Ein Förderprogramm für szenisches Schreiben.
Im Rahmen von zwei Semestern arbeiten die Autor:innen an eigenen Stücken. Sie schreiben, überarbeiten, verwerfen und entwickeln weiter. Begleitet werden sie durch Einzelmentoring, Workshops und Stückentwicklungsphasen mit Schauspieler:innen und Regisseur:innen. Wesentlich ist dabei die Haltung. Die Texte werden nicht geschont. Sie werden ernst genommen. Sie werden genau gelesen. Wohlwollend und kritisch zugleich.
FORUM Text 1 ist eine Kooperation von DRAMA FORUM von uniT Graz mit uniT Wien und wird von der Kulturabteilung der Stadt Wien (MA7) gefördert.






