Vernissage & Gespräche
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Vernissage StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt

Foto © Frauke Kühn

Bei der Vernissage der Plakatausstellung von StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt sprechen Expert:innen über Gewaltprävention und laden zum Gespräch ein.

Hinschauen statt Wegesehen

Jede dritte Frau in Österreich erlebt im Laufe ihres Lebens Gewalt. Um dieser Realität entgegenzutreten, haben wir das ifs-Präventionsprojekt „StoP – Stadt(teile) ohne Partnergewalt“, unterstützt durch die Stadt Hohenems, eingeladen. Von 12. März bis 7. April 2026 ist bei uns im Literaturhaus eine Plakatkampagne zu sehen, die klare Botschaften lokaler Persönlichkeiten zeigt.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Plakate mit starken Statements von Menschen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen, darunter Friseur:innen, Nachbar:innen, Geschäftsinhaber:innen und Vereinsobleute, die sich unmissverständlich gegen Gewalt an Frauen und Kindern positionieren.

Foto © Frauke Kühn

Bei der Vernissage haben wir gemeinsam mit StoP die Besucher:innen eingeladen, an verschiedenen Stationen ins Gespräch und in den Austausch zu kommen. Die Entdeckungsreise führte durchs gesamte Literaturhaus und deckte verschiedene Schwerpunkte ab.

Im Gartensalon luden die Aktivist:innen von StoP dazu ein, die Plakatausstellung kennenzulernen und erzählten von ihrer Arbeit – und warum ein Wohnzimmer Teil ihrer Aktionen ist: Für viele Frauen ist das Wohnzimmer nämlich kein Ort der Geborgenheit – und genau darauf, will StoP aufmerksam machen.

Die Besucher:innen waren eingeladen, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir uns alle in Hohenems und darüber hinaus gegen häusliche Gewalt einsetzen können.

Bei der Literaturhaus Apotheke, präsentiete Melanie Rüdisser von der Buchhandlung Lesezeichen einem Büchertisch, der zum Stöbern und Nachdenken anregte: Sowohl Romane als auch Sachbücher, die sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise und aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema häusliche Gewalt beschäftigen, waren dort zu finden. Die ausgelegten Bücher haben ebenfalls Anlass für Gespräche gegeben.

Wie arbeitet das Gewaltschutzzentrum? Wie sehen die Zahlen und Statistiken in Vorarlberg aus? Für diese Fragen stand Angelika Wehinger, Leiterin vom Gewaltschutzzentrum, zur Verfügung. Sie erzählte, wie das Gewaltschutzzentrum Hilfe und Unterstützung für Opfer von Gewalt anbietet. Deutlich wurde dabei auch, dass Gewalt viele verschiedene Gesichter hat und sich auf unterschiedliche Arten zeigt.

Eine eigene Sprache zu finden, wenn es um Mut, Zivilcourage und Gemeinschaft geht, stand im Mittelpunkt bei unserer Station im Wintergarten. Frauke ermutigte die Besucher:innen ins kreative Tun zu kommen: Die Besucher:innen konnten sich in Black Out Poetry und Akrostichon im lyrische Schreiben ausprobieren. Das Ergebnis: Ganz vielfältige Texte, die das Gemeinschaftsgefühl verstärken!

Wie sprechen Medien über Gewalt an Frauen? Über diese Frage unterhielten sich Nikola Furtenbach, Leiterin von StoP, und Marina. Ausgedruckte Auszüge aus Boulevardzeitschriften veranschaulichten, welche Begriffe in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt verwendet werden, um Leser:innen zu sensibilisieren – und es wurde deutlich, wie dabei häufig eine Täter-Opfer-Umkehr stattfindet. Nikola Furtenbach sieht aber auch positive Entwicklungen: Medien berichten heute weniger reißerisch als früher.

Gert Gröchenig, Sicherheitskoordinator der Landespolizeidirektion Vorarlberg erzählte, was passiert, wenn jemand Gewalt wahrnimmt und die Polizei ruft. Außerdem informierte er darüber, wann ein Betretungsverbot ausgesprochen wird und was das genau bedeutet. Die Zuhörer:innen haben gespannt gelauscht und sich mit vielen Fragen beim Gespräch eingebracht.

Über die Plakat-Kampagne von StoP

Die Zahlen sind alarmierend: Jede dritte Frau in Österreich hat bereits körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Im Jahr 2025 wurden 15 Femizide und 34 Mordversuche an Frauen registriert. Bereits innerhalb der ersten zwei Wochen des neuen Jahres wurden zwei Frauen getötet.

Hinter diesen Statistiken stehen individuelle Schicksale, die allzu oft im Verborgenen bleiben. Die Plakat-Kampagne von StoP rückt diese Realität ins öffentliche Bewusstsein.

Ziel der Ausstellung und des Austausches ist es, das Tabu rund um häusliche Gewalt zu durchbrechen, das Bewusstsein für die Situation von Betroffenen zu schärfen, Zivilcourage zu stärken und eine klare Botschaft zu vermitteln: Ihr seid nicht allein.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit StoP und der Stadt Hohenems statt. Wir danken Nadine Gadient und Leila Götze sowie allen Helfer:innen für die schöne Zusammenarbeit und die Unterstützung! Ein großes Danke geht auch an Melanie Rüdisser von der Buchhandlung Lesezeichen, Angelika Wehinger vom Gewaltschutzzentrum, Nikola Furtenbach von StoP und Gert Gröchenig von der Landespolizeidirektion für die interessanten Inputs und die schönen Gespräche an den Stationen!