Wasserglaslesung: Monika Helfer und Dorthe Seifert

Monika Helfer und Dorthe Seifert © Marina Höfler
Monika Helfer und Dorthe Seifert © Marina Höfler

Der herrschaftliche Treppenaufgang im Literaturhaus wurde Anfang Mai zur Bühne – aber nicht für eine klassische Lesung, sondern für ein Gespräch über Sprache und Sprachen und Bedeutung. Dafür führte die erste Wasserglaslesung im Literaturhaus zwei außergewöhnliche Frauen aus unterschiedlichen Sprachwelten zusammen. Die renommierte Vorarlberger Autorin Monika Helfer war zu Gast und traf auf Dorthe Seifert, die gemeinsam mit ihrer Tochter Alma extra für diesen Abend aus Kopenhagen angereist war. Dorthe Seifert ist literarische Übersetzerin und hat Monika Helfers Trilogie ,Die Bagage‘, ,Vati‘ und ,Löwenherz‘ ins Dänische übertragen.

Ein Auftakt mit Monika Helfer und Dorthe Seifert

Nachdem sich Dorthe Seifert während des Prozesses der literarischen Übersetzung bereits sehr intensiv mit Monika Helfers Geschichten, ihren Figuren, ihrer Erzählweise und ihrem literarischen Ton auseinandergesetzt hat, lernen sich die beiden Frauen im Literaturhaus doch zum ersten Mal persönlich kennen und steigen mit einer Mikro-Lesung ein: Unmittelbar klingt die erste Seite aus ,Die Bagage‘ auf Deutsch und auf Dänisch durch das Treppenhaus des Literaturhauses.

„Den Ton einer Autorin zu treffen, ist wohl die mystische Seite des Übersetzens!“ (Dorthe Seifert)

Einen kurzweiligen Abend lang sprachen die beiden Frauen darüber, wie Bedeutung beim Schreiben entsteht, darüber was es braucht, um Bedeutung von der einen in die andere Sprache fallen zu lassen und den Ton einer Autorin zu treffen. Dabei kamen auch Herausforderungen zur Sprache, die entstehen können und gelöst werden müssen! So stellte sich unter anderem für Dorthe Seifert die Frage, wie sie das in Vorarlberg sehr bekannte und in ,Vati‘ aufscheinende Schlaflied ‚Müsle gang ga schlofa‘ ins Dänische übersetzt. Wort für Wort oder dem Sinn nach? Am Ende löste es die Übersetzerin mit einem Dänischen Weihnachtslied, dessen Melodie und Atmosphäre dem Schlaflied sehr verwandt ist. Eine musikalische Kostprobe gab es von Alma Seifert, die kurzerhand ihre Gitarre aus Dänemark mit nach Vorarlberg gebracht hatte!

Wir bedanken uns von Herzen bei unseren Gastgeberinnen Sabine Cazzolli und Ulrike Hesse, die diesen Abend mit einem exklusiven Wasserbuffet abgerundet haben! Unser herzliche Dank geht auch an die Buchhandlung Brunner und Leah Lampert für den phantastischen Büchertisch im Gartensalon! Nicht zuletzt danken wir allen, die an diesem Abend ein Wasserglas von zu Hause mitgebracht haben und es in das Literaturhaus einziehen ließen!

Ihr habt den Abend verpasst? Kein Problem!

Auf Spotify könnt ihr noch einmal in den Abend und in ein spannendes Gespräch zwischen Dorthe. Seifert und Frauke reinhören!

Monika Helfer und Dorthe Seifert

Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald, lebt in Vorarlberg. Sie hat zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur, dem Solothurner Literaturpreis und dem Johann-Peter-Hebel-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschienen bei Hanser ihre Romane »Vati« (2021), mit dem sie für den Deutschen Buchpreis nominiert war, »Löwenherz« (2022) und »Die Jungfrau« (2023), »Wie die Welt weiterging« (2024) sowie »Der Bücherfreund« (2025).

Dorthe Seifert wuchs mit den Muttersprachen Dänisch und Deutsch in Berlin und auf Falster auf. Nach dem Abitur machte sie in Kopenhagen eine Lehre zur Buchhändlerin und studierte dann Anglistik, Geschichte und Literaturwissenschaft in Roskilde und Jerusalem. Nach Abschluss des Studiums hat sie neben ihrer Arbeit als Buchhändlerin, Bibliothekarin und Verlagsmitarbeiterin zunächst Sachbücher übersetzt. 2018 begann sie, sich auf das Abenteuer literarischer Übersetzungen einzulassen und hat seither Terézia Mora, Kristine Bilkau und Monika Helfer ins Dänische übersetzt. Dorthe Seifert lebt in Kopenhagen und engagiert sich u.a. für den Ein-Frau-Verlag: https://forlaget-palomar.dk

Die Wasserglaslesung im Literaturhaus Vorarlberg

Die Wasserglaslesung gibt Autor:innen und Expert:innen der Literaturlandschaft alle Freiheit, genau das zu tun, was sie in einem Literaturhaus schon immer einmal machen wollten, aber bisher nie konnten. Alle, die sich vor allem einen Tisch, ein Glas Wasser und ihr Buch wünschen, werden hier aber auch glücklich!