Wo geht’s lang im Literaturhaus?

Signaletik©FraukeKühn
Signaletik im Literaturhaus Vorarlberg ©Frauke Kühn
Vom Abenteuer der Signaletik

Diese Frage ist in einem alten, verwinkelten Gebäude wie dem Literaturhaus Vorarlberg absolut berechtigt. Welche Treppe wohin führt, wo das Esszimmer, der Wintergarten und das Spielzimmer sind oder was sich hinter der nächsten Tapetentür versteckt, ist nicht immer offensichtlich.

In einem Haus, das unter Denkmalschutz steht und in den vergangenen Jahren von zahlreichen Restaurator:innen derart liebevoll revitalisiert wurde, geht es aber nicht nur darum, in geheimnisvollen Ecken den richtigen Weg zu weisen. Vielmehr steht auch die Frage im Raum, wie eine Signaletik im Haus aussehen kann, die einen möglichst schonenden Eingriff in die geschützte Bausubstanz bedeutet und möglichst wenig von ihr und ihren schönen Tapeten verdeckt.

Flankiert vom Fachwissen des Restaurators Helge Bartsch und in Abstimmung mit dem verantwortlichen Architekten Ernst Waibel hat die Autorin und Gestalterin Sarah Rinderer deshalb ein luftiges, leichtes, transparentes, klares und vor allen Dingen verständliches Konzept erdacht. Ein Konzept, das auf dem Gestaltungskonzept für das Literaturhaus Vorarlberg von Sarah Rinderer & Clemens Theobert Schedler basiert und die Hausschriftart Korpus von Michael Mischler und Nik Thoenen (Binnenland) verwendet.

Doch woher weiß man, dass die Hinweisschilder auch sicher funktionieren? Ganz einfach: Wir haben die Signaletik vor ihrer Umsetzung mit einer kleinen Gruppe getestet. Dafür haben wir im Februar auf Instagram einen öffentlichen Call gemacht und vier Menschen gesucht, die noch nie im Literaturhaus waren, es aber unbedingt kennenlernen wollten. Diese Gruppe von Abenteuerlustigen hat sich gefunden und sich mit kleinen Aufträgen von uns im damals noch nicht eröffneten Haus auf den Weg gemacht. Am Ende gab es einen kleinen Fragebogen und eine WhatsApp-Sprachnachricht, mit der alle Bestätigungen und auch Fragen kompakt zusammengefasst wurden. All das war die beste Grundlage für den letzten bedeutenden Schliff!

Wir danken allen, die uns im Februar für diese so wichtige Facette des Literaturhauses ihre Zeit geschenkt haben! Unser Dank geht natürlich auch Tim Siegel von sägenvier, der die Signaletik im Außenraum des Literaturhauses umgesetzt hat!
Signaletik©Frauke Kühn
Signaletik©Frauke Kühn

Lieblingszitat aus einer der Sprachnachrichten: „Da betrete ich dieses Haus und da ist mir doch mein Auftrag ganz egal! Da staune ich erst einmal und gehe überall hin!!“ – Richtig so. 🙂

Nur wenige Wochen nach dem Test hat Sarah Rinderer mit eigens für das Literaturhaus entworfenen Piktogrammen und transparenten Hinweistäfelchen eine filigrane, sich nicht aufdrängende und doch verlässliche Signaletik ins Haus einziehen lassen. Restaurator Helge Bartsch hat diese für uns mit kleinsten Schrauben vorsichtig fixiert, sodass für die Eröffnung im April alles rechtzeitig parat war.

Na, und ganz ohne Poesie geht es weder bei Sarah Rinderer noch beim Literaturhaus – deshalb findet ihr, wenn ihr genau hinschaut, das ein oder andere versteckte Anagramm, das sich aus dem Wort Literaturhaus Vorarlberg zusammensetzt und euch bestimmt Freude bereitet!