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writers:class: Wenn Knöpfe Geschichten erzählen

Was hat ein Knopf schon alles erlebt? An welchem Mantel hing er einmal, wer hat ihn angenäht, wohin wurde er getragen? Und was sieht man eigentlich, wenn man durch ein Knopfloch in die Welt schaut?

Mit solchen Fragen beginnt die neue writers:class an der Volksschule Rieden, die das Literaturhaus Vorarlberg zum ersten Mal gemeinsam mit der Stadtbibliothek Dornbirn ins Leben ruft.

Nachdem wir die letzte writers:class der Volksschule vor den Sommerferien nach vier Jahren schweren Herzens verabschieden mussten, startet Klassenvorständin Hannah Reiner nun mit ihren Schulanfängern wieder von vorn. Vor der Klasse liegen vier spannende Jahre, in denen sie von verschiedenen Autor:innen und Literaturexpert:innen begleitet werden und regelmäßig Zeit bekommen, um mit Sprache zu spielen, Geschichten zu erfinden und die eigene Stimme zu entdecken.

Hannah Reiner freut sich auf ein weiteres Jahr writers:class mit ihren Erstklässler:innen © Frauke Kühn
Hannah Reiner freut sich auf ein weiteres Jahr writers:class mit ihren Erstklässler:innen © Frauke Kühn

Den Anfang macht die erfahren und inspirierende Literaturvermittlerin Sabine Maghörndl von der Stadtbibliothek Dornbirn. Einmal im Monat kommt sie für eine Doppelstunde in den Unterricht. Mitgebracht hat sie unter anderem ihr Knopf-Labor: einen Ort für Fundstücke, Fantasie und Geschichten, an dem aus einem kleinen Alltagsgegenstand plötzlich ein Sprachgenerator werden kann. Denn jeder Knopf trägt Möglichkeiten in sich. Vielleicht führt er zu einer Person, die ihn einmal getragen hat. Vielleicht zu einem verlorenen Kleidungsstück. Vielleicht aber auch in eine vollkommen erfundene Welt.

Es kann nicht genügend Raum und Zeit für das Spiel mit Sprache geben © Frauke Kühn
Es kann nie genügend Raum und Zeit für das Spiel mit Sprache geben © Frauke Kühn

Genau dafür gibt die writers:class Raum. Es gibt kein fertiges Programm, das abgearbeitet werden muss, und keine Noten für die entstandenen Texte. Stattdessen wird ausprobiert, verworfen, weitergedacht und überrascht. „Sprache darf hier wachsen, sich verändern und überraschen“, sagt Sabine Maghörndl.

Und vielleicht ist das das Schönste an einem Projekt, das eine Klasse über vier Jahre begleitet: Wir wissen heute noch nicht, welche Geschichten entstehen werden, welche Wörter bleiben und wohin die gemeinsamen Entdeckungen führen. Aber wir dürfen dabei zusehen, wie die Kinder mit und an ihrer Sprache wachsen.

Wir danken der engagierten Volksschule Rieden, der wunderbaren Sabine Maghörndl und Johanna Baumgartner, der visionären Leiterin der Stadtbibliothek Dornbirn, für die Entscheidung, dieses Projekt mit uns gemeinsam in die Hand zu nehmen!