writers:class

writers:class: voll improvisiert

Improvisieren, erfinden, weiterspinnnen – darum geht es im vierten Jahr der writers:class der Volksschule Bregenz Rieden. Wie turbulent, rasant, beglückend und wendungsreich sich das anfühlen kann, haben wir heute bei einem Besuch der Viertklässler:innen im Literaturhaus erleben dürfen. Begleitet werden die Schüler:innen in ihrem letzten Jahr als writers:class vom Vorarlberger Improvisationstheaters Paroli. Teammitglied Renée Lormans weiß als Theaterpädagogin wie man Spielfreude und Bühnenlust in Kindern weckt.

writers:class  improvisiert mit Renée Lormans im Literaturhaus © Frauke Kühn
writers:class improvisiert mit Renée Lormans im Literaturhaus © Frauke Kühn

Direkt auf der Bühne sind deshalb heute unzählige Geschichten live entstanden, die nur wenige Sekunden vor dem Spielen von zwei Erzähler:innen neben der Bühne erfunden wurden. Während zwei Schüler:innen neben der Bühne eine eigene Geschichte mit Figuren aus dem Hut zaubern, springen immer dann Schüler:innen aus dem Publikum auf, wenn eine neue Figur in der Geschichte auftaucht, um diese Rolle direkt zu übernehmen. Manche Sätze der Figuren werden von den Erzähler:innen vorgegeben, andere entstehen spontan auf der Bühne. Immer wieder entscheiden die Spieler:innen selbst, wie es weitergeht und welche überraschende Wendung die Geschichte nimmt, die plötzlich nicht mehr nur den Erzähler:innen, sondern allen gehört.

writers:class improvisiert mit Renée Lormans im Literaturhaus © Frauke Kühn
writers:class improvisiert mit Renée Lormans im Literaturhaus © Frauke Kühn
Hin und wieder ruft Renée laut ‚Freeze‘. Dann friert das Geschehen auf der Bühne ein und es entsteht Raum und Zeit, um die Szene kurz gemeinsam zu reflektieren und auch Input aus dem Publikum einfließen zu lassen.

So entstand heute die Geschichte eines Mannes mit starken Zahnschmerzen, dem die Zahnärztin nach langer Wartezeit in der Zahnarztpraxis kurzerhand sämtliche Zähne zieht. Daraufhin bietet sie ihm neue Zähne an. Kostenpunkt: 10.000 Euro pro Stück. Als seine Ehefrau droht, ihn zu verlassen, wenn er nicht endlich wieder deutlich spricht, versucht er vergeblich zu antworten und wird prompt von seiner Frau verlassen. Eine höchst absurde Geschichte, die die Erzähler:innen, die Spieler:innen auf der Bühne aber auch das Publikum mit großem Vergnügen verfolgt und gemeinsam auf die Spitze getrieben haben.

writers:class improvisiert mit Renée Lormans im Literaturhaus © Frauke Kühn
Die writers:class improvisiert mit Renée Lormans im Literaturhaus © Frauke Kühn

Klingt nach viel Spaß? Das ist es auch! Trotzdem gibt es jede Mente zu lernen. Es geht auch darum, Situationen genauer zu beschreiben und den eigenen Wortschatz zu testen und zu erweitern. Ein Wald ist nicht einfach dunkel. Er kann düster, geheimnisvoll oder unheimlich sein – als Erzähler:in muss man schließlich wissen, was man will. 

Fast nebenbei erwerben die Schüler:innen wichtige Grundlagen des Theaterspiels: Wie bleibt man in seiner Rolle? Wie erfindet man Requisiten aus dem Nichts? Wo steht man auf der Bühne? Warum sollte man dem Publikum nicht den Rücken zudrehen? Und wie verbeugt man sich nach einer Aufführung?

Gleichzeitig wird auch der Umgang mit Ideen geübt. Nicht jeder erste Einfall muss sofort übernommen werden. Wenn in den Geschichten einmal mehr die Polizei gerufen wird, um alle Probleme zu lösen, fragt Renée Lormans ruhig: „Was könnte denn noch passieren?“ Oft entstehen genau aus diesen Nachfragen die spannendsten Wendungen. Die Kinder entdecken, dass hinter der ersten Idee durchaus viele weitere Möglichkeiten verborgen liegen.

Wie so oft in der writers:class zeigen sich vielfältige Talente. Da gibt es jene Schüler:innen, die mit großer Selbstverständlichkeit erzählen und einem geradezu überbordendem Maß an Spielfreude ausgestattet sind. Es gibt aber auch die stille Schülerin, die in einer kurzen Pause ganz selbstverständlich die Bühne aufräumt und die Requisiten für die nächste Runde vorbereitet. 

So oder so: für alle vergeht die Zeit im Literaturhaus viel zu schnell.

Die Ideen der Kinder scheinen unerschöpflich. Als Renée Lormans verspricht, dass die Klasse die Geschichten auf der Zugfahrt weiterspielen kann, bricht Jubel aus. Bevor die Schüler:innen das Literaturhaus verlassen, stürmen sie noch die Literaturhaus-Apotheke und versorgen sich mit Gedichten gegen Regentage, Einsamkeit, Fernweh oder Prüfungsangst. 

In wenigen Tagen steht nach vier gemeinsamen Jahren die letzte Doppelstunde der writers:class auf dem Programm. Danach werden die Wege der Kinder an ihren neuen Schulen weitergehen. Zuvor wartet jedoch noch ein besonderer Höhepunkt: Gemeinsam mit Renée Lormans und ihrem Klassenvorstand Mario Tobar Ruiz arbeiten die Schüler:innen an einer Improvisationstheater-Aufführung. Wenn ihr wissen möchtet, wie es trotzdem im Herbst an der Volksschule Bregenz Rieden weitergeht, dann kommt im September hier wieder vorbei! Dann haben wir die schönsten Neuigkeiten!  

Wir danken Renée Lormans für ihre Energie, ihre Kreativität und ihre große Erzählfreude. Ebenso danken wir Mario Tobar Ruiz für seine engagierte Begleitung der Klasse heute sowie in den vergangenen beiden Jahren und der Direktion der Volksschule Bregenz Rieden! Ein großes Dankeschön geht auch an die Vorarlberger Initiative Double Check, die diese writers:class auf besonders schöne Weise fördert und unterstützt! Vor allem aber danken wir den Kindern für ihre Fantasie, ihren Mut und ihre Lust am Erzählen. Sie erinnern uns jedes Mal aufs Neue daran, wie viele Geschichten in uns allen schlummern.

Literaturhaus Campus

Die writers:class ist eines von verschiedenen Vermittlungsprojekten, die du auf unserem Literaturhaus Campus findest. Einfach den Link klicken und stöbern! Wir bedanken uns von Herzen bei der H.E.M. Stiftung, Vaduz, die den Literaturhaus Campus auf besonders wertvolle Weise begleitet und .