texte & töne: Festival 2024
In diesem Jahr feiern wir zum ersten Mal gemeinsam mit dem ORF Vorarlberg, dem Symphonieorchester Vorarlberg und dem Ensemble Plus fast einen ganzen Tag lang das Festival texte&töne 2024! Gemeinsam mit dem ORF haben wir vier Autor:innen zum Festival eingeladen, die ihre Stimmen und Texte am Samstag, 9. November von 15 – ca. 22:30 Uhr im ORF Funkhaus in Dornbirn zu zeitgenössischer Musik in Bezug setzen werden. Der Eintritt ist frei! Ihr könnt kommen und gehen, wiederkommen, früher oder erst später dabei sein. Ihr könnt euch austauschen, Autor:innen und Musiker:innen treffen und gemeinsam mit uns feiern!
Hier geht es zum Download des gesamten Programms.

Der Vorarlberger Autor Christian Futscher zeigt mit seinem Buch Der Erbsenjongleur, erschienen im Czernin Verlag, einmal mehr seine einzigartige Kunst, die Sprache am Schlafittchen zu packen. sie auf den Kopf zu stellen, umzukrempeln und auf links zu drehen. Kein Wort ist vor ihm sicher – und das ist gut so! Der Erbsenjongleur verwandelt Alltagsbeobachtungen in Sprachkunstwerke. Christian Futscher wirft die kleine Erbse, unbedeutend und schmackhaft, in die Luft und öffnet eine Sammlung von Kürzesttexten bis zu etwas längeren. Doch auch wenn sie durch wiederkehrenden Personen und Motive miteinander verbunden sind, spielt die Sprache doch immer die Hauptrolle. Sie wird zur falschen Sprache, zur ordinären Sprache oder auch zur Kindersprache. Die Leser:innen reisen durch Märchenhaftes, Satirisches, Emails, Dramolette und Tagebucheinträge und begegnen dabei dem Unsinnigen, dem Schönen, dem Wilden. Christian Futschers Sprache ist eine Sprache des Übermuts und der Freiheit, der absurden Übertreibung und Überspitzung. Das Subtile ist nicht sein Mittel der Wahl. Seine Texte sind ein Fest für alle, die die Sprache und ihre Kraft leidenschaftlich feiern.

Drei Freunde, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Unter ungewöhnlichen Umständen treffen Ali mit palästinesischen Wurzeln und der Syrer Tarek auf Vincent, der gutbürgerlich im Einfamilienhaus in aufgeräumten aber eher kühlen Verhältnissen aufwächst. Eine Teenager-Freundschaft, die im Deutschland des Jahres 2006 spielt und Vincent in neue Erfahrungswelten führt. Erlebter Alltagsrassismus trifft dabei auf unbewusste gelebte Privilegien und stellt auf vielschichtige Weise die dringende Frage nach Zugehörigkeit. Autor Luca Kieser, dessen Debüt Weil da war etwas im Wasser 2023 ad hoc für den Deutschen Buchpreis nominiert war, kommt in seinem zweiten Roman Pink Elephant, erschienen im Blessing Verlag, ohne Symphathieträger aus. Er zeichnet keine klaren Figuren, sondern setzt klug auf Ambivalenzen und zeigt literarisch gekonnt gesellschaftliche Spannungsverhältnisse auf, die sich im breiten Kontext von Rassismus und Klassizmus auffalten. Luca Kieser tappt nie in die Falle aufzuzeigen. Er vertraut auf das Erzählen und die Kraft seiner Sprache – beides zahlt sich aus!

Mit ihrem Roman Mon Chérie und unsere demolierten Seelen katapultiert Autorin Verena Roßbacher ihre Leser:innen in rasantem Tempo in das Leben der 43 Jahre alten Charly Benz. Im Marketing einer Berliner Food-Company tätig, hadert sie so ziemlich mit ihrem ganzen Leben: Job, Haare, Figur, Beziehung und die fehlende Familienplanung. In all dieser ‚Imperfektion‘ zeigt sich Charlie aber nicht nur verbal schlagfertig, sondern ist neben ihrem Witz auch mit einem Hang zu origineller Lebenskunst ausgestattet, die ihr selbst in äußerst schrägen Momenten ihres Lebens hilfreich wird. Sie schmiedet ungewöhnliche Freundschaften, wird zur Begleiterin und lässt sich begleiten in einem Leben, das seine Wellen schlägt und danach verlangt, ausgetretene Pfade zu verlassen. Mon Chérie und unsere demolierten Seelen, erschienen bei Kiepenheuer&Witsch ist eine temporeiche Erzählung mit schnellen und zielsicheren Dialogen über das Leben und das Lieben, aber auch über die leisen Augenblicke und schweren Themen. Hier wird geboren und gestorben, es geht um traditierte Konzepte des Miteinanders und des Zusammenlebens, die zerfallen oder aufgebrochen und neu gedacht werden. 2022 wurde Verena Roßbacher für den Roman mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet.

Spät am Abend liest Martin Piekar aus Livestream & Leichen, erschienen beim Verlagshaus Berlin. In den 13 Langgedichten lässt er intensivste Bilder vor unseren Augen entstehen, die zum Handlauf werden, der uns tiefer und tiefer nach unten in das Schmerzliche, Verstörende und doch zutiefst Menschliche und auch Tröstliche führt. Ein Sog, dem sich die Leser:innen nicht entziehen können, auch wenn sie sich dabei Herz und Verstand brechen. 2021 wurde Martin Piekar mit dem 2. Preis des Feldkircher Lyrikpreises ausgezeichnet. Nur zwei Jahre später gewann er im Rahmen des Bachmannpreises in Klagenfurt sowohl den KELAG-Preis als auch den BKS-Publikumspreis. 2024 konnte er auch die Jury des renommierten Robert Gernhardt Preises überzeugen. Martin Piekar zählt zu den prägnantesten Stimmen der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, der mit seinen drastischen Gedichten und schonungslosen Texten die Sehnsucht nach dem Makel wachruft und sich auf zarteste Weise zwischen die Menschen schreibt.
Eingebettet sind die Lesung in die Werke folgender Komponist:innen
Nikolaus Brass
Johannes Maria Staud
Gerald Futscher
Sara Glojnarić
Wolfram Schurig
Amy Crankshaw
Andreas Broger
Monthati Masebe
Anna Maly
Juta Pranulyté
Martin Ritter
Gespielt von
Ensemble plus
Symphonieorchester Vorarlberg
Triin Ruubel
Christie Finn
Lorenzo Orsenigo
Noah Schurig
Dirigenten
Xandi Van Dijk
Thomas Gärtner
Moderation
Eva Teimel
Jasmin Ölz-Barnay






