nacht:lyrik: Carmen Camacho, Precious Nnebedum, Sarah Rinderer
Während sich draußen die Sonne langsam verabschiedete und die blaue Stunde anbrach, öffnete sich das Literaturhaus Vorarlberg im Juni bereits zum vierten Mal von 22-23 Uhr im Rahmen des Internationalen Lyrikfestivals W:ORTE für das einzigartige Erlebnis der nacht:lyrik.







Es war ein Abend, an dem alle drei Lyrikerinnen ihr Publikum auf unterschiedliche nächtliche Expeditionen nahmen. Während Carmen Camacho und Mikael Vogel in einem unvergesslichen poetischen Duett für zwei Sprachen tief in Träume und unter Wasser tauchten, entfaltete Sarah Rinderer mit der flugschrift #45 ’sektorenfeuer‘ eine Kartographie der Leuchtfeuer der Seefahrt, die Licht mit unterschiedlichen (Farb)Kennungen ausstrahlen, um freien Seeraum zwischen „Untiefen“ zu markieren. Mit ihren Gedichten und Liedern gingen die Besucher:innen im Rahmen der nacht:lyrik auf die für diesen Abend letzte Reise, die sie auf besonders berührende Weise zu sich selbst führte.

In diesem Jahr freuen wir uns bei der nacht:lyrik auf die in der andalusischen Kleinstadt Alcaudete geborene Carmen Camacho. José Oliver, der dem Lyrik-Festival W:ORTE zum 10-jährigen Jubiläum erstmals ins Deutsche übersetzte Gedichte von Camacho (jüngste Publikation: La mujer de enfrente, Maclein y Parcer 2023) zum Geschenk macht, schreibt über sie: „Die Sehnsucht, Wort zu sein, um im Wort zu stehen und Wort zu halten, führt ihre dichterische Schreibhand bis an die Grenzen der Sprache.“

Sarah Rinderer, geboren und aufgewachsen in Vorarlberg, schreibt, stellt aus, veröffentlicht, liest, performt, kollaboriert, textet, lektoriert, gestaltet (typo)grafisch und gibt Workshops. Ihr literarisches Schaffen, geprägt von einer reduzierten wie klaren und präzisen Sprache, setzt sich sowohl mit Leerstellen, den Zwischenräumen und den Perspektiven auf die Welt auseinander als auch mit dem Klang und der Pause. 2021 wurde sie mit dem Feldkircher Lyrikerpreis ausgezeichnet. Im selben Jahr belegt sie mit ihrem Prosatext ‚Ein Zimmer‘ den zweiten Platz bei Wortlaut, dem FM4 Kurzgeschichtenwettbewerb. 2024 erhält sie das Startstipendium für Literatur.

Precious Chiebonam Nnebedum ist dagegen zwischen Nigeria und Österreich aufgewachsen, in einer Familie, in der das Geschichtenerzählen ein wesentlicher Bestandteil des Alltags war. Kurz vor ihrem 18. Geburtstag, stand sie zum ersten Mal auf einer Poetry-Slam-Bühne und wurde 2017 und 2018 jeweils zweifache österreichische U20-Vizemeisterin. In ihren Gedichten erzählt sie von ihren Erfahrungen als schwarze, christliche Frau in einer überwiegend weißen Umgebung.

Mikael Vogel wird die nacht:lyrik moderieren. Er wurde 1975 in Bad Säckingen geboren. Er begann 1994 in Seattle zu schreiben, arbeitete unter anderem in Paris, Tübingen, Freiburg zuerst an Prosa und widmet sich seit 2000 vor allem Gedichten. 2001 erste Veröffentlichung in den manuskripten, 2002 ebenfalls bei den manuskriptenin Graz die erste von zahlreichen internationalen Lesungen. Mikael Vogel lebt seit 2003 in Berlin. Er hat bislang sechs Gedichtbände veröffentlicht, zuletzt gemeinsam mit José F. A. Oliver, »zum Bleiben, wie zum Wandern – Hölderlin, theurer Freund« (Schiler & Mücke, 2020) und »Dodos auf der Flucht. Requiem für ein verlorenes Bestiarium« (Verlagshaus Berlin, 2018). Sein poetologischer Essay »Tier. Ein Tier schreibt als Mensch ein Gedicht über ein Tier« ist 2020 ebenfalls im Verlagshaus Berlin erschienen. Er versteht seine Poesie als politischen Aktivismus und ist ein klimaatdichter. Mikael Vogel ist Kurator für Versopolis beim LeseLenz.
Wir freuen uns über die erneute Kooperation mit dem Internationalen W:ORTE Lyrikfestival aus Innsbruck!






