double check_3 – Formales und generatives Schreiben

Literarisches Schreiben lernen und lehren 

Schreibimpulse im Klassenzimmer zu setzen, ist eine wesentliche Facette des Unterrichts in allen Schulformen und -stufen. Dabei stellt diese Art der Textarbeit nicht nur im Deutschunterricht eine inspirierende Möglichkeit dar, sich verschiedenen Themen oder Fragestellungen zu nähern, sondern auch in zahlreichen anderen Fächern. Literarisches Schreiben aktiviert eine besondere Form des Sprachbewusstseins, es fördert Kreativität und Fantasie, macht sprichwörtlich sichtbar, was in einem steckt, überrascht zum Teil die Schreibenden selbst und ist in der Lage spannende gedankliche Metawelten zu öffnen, die wiederum aktivierende Spielräume anbieten. 

Im Rahmen der aktuellen double check-Partnerschaft zwischen der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg und literatur:vorarlberg netzwerk erhielten nun angehende Pädagog/innen in ihrem Seminar „Formales und generatives Schreiben, Schreibanlässe“ die Möglichkeit, auf besondere Weise Erfahrungen mit dem Literarischen Schreiben und dessen Vermittlung zu machen.

Mit den Profis hinter die Textkulissen blicken

Im ersten Schritt besuchten die Autorin Andrea Gerster sowie die Autoren Maximilian Lang und Jürgen-Thomas Ernst die Studierenden in ihrem Seminar. Einen Nachmittag lang gingen die Schreibenden der Literatur Vorarlberg mit den Lehramtsstudent/innen in der PH über verschiedene Schwerpunkte des literarischen Schreibens in den Dialog und an die Arbeit. Während Andrea Gerster Raum gab, um die Methode des ‚Automatischen Schreibens‘ und damit die Ausschaltung des kritischen Ichs beim Schreiben zu erleben, führte der junge Dramatiker Maximilian Lang die Student/innen an Aspekte des Schreibens dramatischer Texte heran. Thema, Handlung, Konflikt und Figuren – alle Aspekte müssen sorgfältig konzipiert und vor allem von funktionierenden Dialogen getragen werden. Jürgen-Thomas Ernst baute mit den Studierenden zu Beginn einen kleinen Funkenturm aus Zündhölzern und schaffte so ein einzigartiges Bild für die Architektur eines literarischen Textes, die sorgsam bedacht angelegt werden muss, aber für die Leser/innen nie offensichtlich werden darf.    

Literarisches Schreiben vermitteln

Im Rahmen ihrer Lehrveranstaltung „Formales und generatives Schreiben, Schreibanlässe“ und der Betreuten Studien erhalten die Student/innen von ihrer Lehrenden Dorit Häfele-Senoner grundsätzlich verschiedenste Zugänge zum formalen und generativen Schreiben im Unterricht. Darüber hinaus lernen sie möglichst viele unterschiedliche Schreibanlässe kennen. Im Speziellen machten sich die Studierenden im Anschluss an die Begegnung mit den Vertreter/innen der Literatur Voralberg an zwei Nachmittagen der Lehrveranstaltungseinheiten daran, die Inputs der Autor/innen und die gemachten Erfahrungen, in eigene Workshopkonzepte für Schüler/innen der Mittelstufe umzusetzen.

Von der Theorie in die Praxis – Schreibworkshops im W*ORT in Lustenau

Damit die Studierenden ihre erarbeiteten Konzeptideen von der Theorie in die Praxis umsetzen und sie auf ihre Tragfähigkeit testen konnten, öffnete das W*ORT in Lustenau, unter der Leitung von Gabi Hampson, seine Türen. Das W*ORT ist ein spezieller Ort, an dem Erwachsene Kindern ihre Zeit schenken und versuchen, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Die Sprache steht im Mittelpunkt des Miteinanders. Kreative Potenziale werden geweckt, Ideen gewonnen und nicht selten aus diesem Zusammenspiel gute Produkte hervorgebracht.

Die Student/innen der PH führten fünf Schreibworkshops mit unterschiedlichen Schwerpunkten durch und luden einzelne Schüler/innen sowie ganze Schulklassen der örtlichen Mittelschulen, der Polytechnischen Schule Dornbirn und des Sonderpädagogischen Zentrums zum literarischen Schreiben ein. Dorit Häfele-Senoner freut sich über diese besonders schöne Option: „Dieses Semester war von Anfang an klar, dass das Herzstück dieser Veranstaltung die Workshops im W*ORT in Lustenau sein würden.“

Auch Gabi Hampson zieht eine deutlich positive Bilanz: „Ich freue mich sehr, dass wir Teil dieser spannenden Kooperation sein dürfen. Die erste Veranstaltung war ein toller Auftakt für diese Workshopreihe, mit engagierten Studierenden und interessierten SchülerInnen. Ich hoffe, dass dies der Beginn einer guten Zusammenarbeit mit der PH ist. Das W*ORT ist ein Begegnungs- und Möglichkeitsort, der durch die Menschen, die sich einbringen, aufblüht – das hat sich heute wieder gezeigt.“ Gabi Hampson beobachtete die Workshops aus der Distanz, notierte Wesentliches und war eine besonders wichtige Feedbackgeberin, von der jede Gruppe profitieren durfte.

Die Schwerpunkte der Workshops reichten von einem stark musikalischem Anteil (z.B. dem Schreiben von Songtexten sowie dem Einsatz von Boomwhackers) bis hin zum Schreiben von Briefen an sich selbst oder auch der Anwendung des automatischen Schreibens. Bei der Umsetzung der Workshops war die Flexibilität der Studierenden gefordert. Aufgrund der variierenden Gruppengrößen, der unterschiedlichen Fähigkeiten der Teilnehmer/innen sowie deren Konzentrationsfähigkeit haben die Student/innen mitunter ihre Pläne revidieren oder sogar spontan Neues einsetzen müssen und damit echtes Lehrer/innenpotenzial bewiesen. Gleichzeitig konnten die Studierenden wertvolle Erfahrungen in der Rolle als Lehrperson sammeln. Streng sein oder nicht? Ruhe hineinbringen oder Dynamik aufnehmen? Sich selbst intensiv einbringen oder die Jugendlichen in die Eigenverantwortung setzen? Das sind keine leichten Entscheidungen, vor allem, wenn man die Schülergruppen zum ersten Mal trifft. Dennoch bot gerade diese Situation den Student/innen auch die wertvolle Gelegenheit, sich selbst in ihrer Persönlichkeit als Lehrer bzw. Lehrerin auszuloten.

Abschließend wurden die Konzepte, die Durchführung der Workshops sowie die Erfahrungen der künftigen Pädagog/innen gemeinsam in der Seminargruppe mit der Lehrenden Dorit Häfele-Senoner professionell analysiert und reflektiert.  

Ein Dankeschön

Wir möchten uns sehr herzlich bei den Schüler/innen und Lehrer/innen der Mittelschule Lustenau Kirchdorf, der Mittelschule Lustenau Hasenfeld, des Sonderpädagogischen Zentrums Lustenau und der Polytechnischen Schule Dornbirn für ihr Dabeisein und ihr Mitwirken bedanken! Wie schön, dass wir euch in bester W*ORT-Atmosphäre begegnen durften!  

double check
Die double check-Partnerschaft zwischen der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg und literatur:vorarlberg netzwerk zielt darauf, Lehramtsstudierende bereits während ihrer Ausbildung noch stärker mit der Vorarlberger Literaturlandschaft zu vernetzen. Auf diese Weise können auch im späteren Unterrichtsalltag die Literaturinitiativen als vertraute Partner/innen und ihre Angebote als gewinnbringende Optionen für den eigenen Unterricht gedacht werden.   

double check ist ein Impulsförderprogramm des Landes Vorarlberg, bei dem im Rahmen des Programms je eine Bildungseinrichtung und eine Kultureinrichtung in Form einer zweijährigen Partnerschaft kontinuierlich zusammenarbeiten und so Zugang zur jeweils anderen Lebenswelt finden. Ziel ist es, langfristige und nachhaltige Partnerschaften zwischen Bildungs- und Kultureinrichtungen anzuregen und zu etablieren. Alle Infos hier!

Eine double check-Partnerschaft von
Pädagogische Hochschule Vorarlberg
und
literatur:vorarlberg netzwerk

in Zusammenarbeit mit 
Literatur Vorarlberg
W*ORT Lustenau

Ein Impulsförderprogramm des 
Landes Vorarlberg