Literaturhaus Vorarlberg: Presse

Villa IFRosenthal©FraukeKühn
Villa_Franziska_und_Iwan_Rosenthal©FraukeKühn

Liebe Medienvertreter:innen!

Auf dieser Seite haben Sie Zugang zu verschiedenen Pressematerialien rund um das Literaturhaus Vorarlberg.

Sollten Sie Fragen haben, zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren!

Jenny Spiegel
Kinder- und Jugenprogramm
PR
jenny.spiegel@literatur.ist
+43 670 6079895

Pressemitteilung
Mit außergewöhnlichem Konzept in historischer Villa:
Vorarlberg bekommt ein Literaturhaus 

Im April 2025 öffnet das Literaturhaus Vorarlberg in der Villa Franziska und Iwan Rosenthal in Hohenems in Vorarlberg (Österreich) erstmals seine Pforten. In dem einzigartigen historischen Anwesen aus dem Jahr 1890, gelegen im Herzen der Stadt, bietet das Literaturhaus auf einer Fläche von 360qm Platz in Parterre und in der Beletage für ein neuartig gedachtes Konzept:

„Das Literaturhaus Vorarlberg lädt ab dem nächsten Frühjahr ein, mitten in der Stadt die zeitgenössische Literaturlandschaft, ihre Fragen und Bedürfnisse zu entdecken. Es wird ein lebendiger, inklusiver und bereichernder Ort der Begegnung, der Inspiration und des Austausches für alle Bürgerinnen und Bürger sein“, sagt Literaturhaus-Leiterin Frauke Kühn. „Unser Literaturhaus soll auch Labor sein, das Besucher:innen und Autor:innen auffordert, sich auszuprobieren. Ein Ort, der neue Zielgruppen für das Erzählen, Lesen und Schreiben gewinnen will, und deshalb weniger das fertige Buch, sondern vor allem das Prozesshafte der Sprache betont. Klassische Lesungen werden in unserem Programm neu gedacht und eher die Ausnahme als die Regel sein.“

In diesem Sinne setzt das Literaturhaus Vorarlberg auf eine intensive Bevölkerungsbeteiligung und plant vielfältige Veranstaltungsformate, experimentelle Projektdesigns und Interventionen. Als Maker Space lädt das Haus zum Austausch und zum Miteinander ein und macht sich gleichzeitig über Angebote im öffentlichen Raum dezentral erlebbar.

So sind beispielsweise ein umfassendes Kinder- und Jugendprogramm, Workshops für Schreibinteressierte und eine Schreib-Sprechstunde geplant. Immer wieder wird das Literaturhaus auch Schauplatz für größere Projekte sein, wie z. B. das Stadtflüstern, in dessen Rahmen Schüler:innen und Senior:innen genauso wie Einwander:innen und Migrant:innen gemeinsam mit Autor:innen an ihren Lieblingsorten ins Schreiben und Erzählen gehen. 

Auch tagsüber steht das Literaturhaus für Jung und Alt offen: Schüler:innen können sich hier ebenso kreativ entfalten, wie Erwachsene das Audioangebot nutzen oder die Räume auf eigene Faust erkunden.

Finanziert und gefördert wird das Literaturhaus Vorarlberg vom Land Vorarlberg, der Stadt Hohenems, dem Bundeskanzleramt sowie weiteren Förderern und Sponsoren. Der Trägerverein literatur.ist unter Obfrau Daniela Egger arbeitet bereits seit 2015 daran, in ganz Vorarlberg Literaturveranstaltungen und Vermittlungsprojekte sichtbarer zu machen. 

Hier geht es zum Download der Fotos in druckfähiger Auflösung!

Hintergrundinformationen zur Villa Franziska und Iwan Rosenthal

Eine Kutscheneinfahrt, ein Gartensalon, ein Musik- und Spielzimmer, Tapetentüren, Dienstbotentrakte, eine originale Kegelbahn aus dem Jahr 1890: Die historische Villa Franziska und Iwan Rosenthal in Hohenems in Vorarlberg (Österreich) öffnet nach umfassender Sanierung im April 2025 erstmals ihre Türen für das Publikum und wird zum Literaturhaus Vorarlberg.

Erbaut wurde die Villa Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag des Textilindustriellen Iwan Rosenthal und seiner Frau Franziska, die die zwei Schweizer Architekten Alfred Chiodera und Theophil Tschudy für den Bau in der Radetzkystraße 1 in Hohenems engagierten.

Gelegen mitten in Hohenems, einer Stadt mit vielschichtiger jüdischer Geschichte, entfaltete sich die prachtvolle Villa auf insgesamt 1500 qm Wohnfläche. In der Villa zeigen sich klare Linien, florale Dekorationen, stilisierte Frauenfiguren, angekettete Drachen oder japanischen Wandmalereien. Dies spiegelt im Stil des Historismus die für das ausgehende 19. Jahrhunderte typischen Elemente des Klassizismus, des Jugendstils und des Japonismus.

Als Franziska Rosenthal 1931 zwei Jahre nach ihrem Ehemann verstarb, erbte ihre Nichte Amalie Hess das Anwesen. Sie hatte nach dem Tod des Vaters in der Villa ihre Teenagerjahre verbracht. Nach Aufenthalten in Stuttgart und London arbeitete sie während und nach dem Ersten Weltkrieg als Sekretärin für einen Chirurgen in München. Zuvor hatte sie sich – als einzige  eine der ersten Frauen im Vorarlberger Alpenverein – in Tourenberichte eingeschrieben. 1938 verkaufte sie die geerbte Villa unter dem Druck der politischen Verhältnisse unter Wert an Johann (Hans) Schebesta und zog zurück in die Schweiz. Sein Sohn Kurt veräußerte das Anwesen schließlich 2018 an eine Investorengemeinschaft, die auf Wunsch der Stadt Hohenems und des Landes Vorarlberg die Villa im Herzen der Stadt für eine kulturelle Nutzung öffnen: 2021 startete nach sorgsamen Planungen die Renovierung und der Umbau der Villa zum Literaturhaus Vorarlberg. 

Eine historische Villa in ein Literaturhaus umzuwandeln, bringt einige Herausforderungen mit sich: „Die Villa besteht aus vielen kleinen Räumen mit stark musealem Charakter, die es erfordern, in ihrer ursprünglichen Funktion anerkannt zu werden. Die Architektur des Anwesens ist sorgsam komponiert, jeder Raum bewusst für seine ursprüngliche Aufgabe gestaltet. Deshalb verlangt der Gartensalon im Erdgeschoss nach lebendigen, leichten Formaten, das Esszimmer im ersten Stock dagegen bietet eine konzentrierte, intime Atmosphäre, während das Musik- und Spielzimmer zum Sprach-Spiel prädestiniert ist und die Kutscheneinfahrt auch dazu einlädt, das Thema der Bewegung auszuloten“, erläutert Frauke Kühn.

5 Fragen an Frauke Kühn, Leiterin des Literaturhauses Vorarlberg

Liebe Frau Kühn, es gibt bereits ein gut vernetztes Literaturnetzwerk und eine Vielzahl literarischer Veranstaltungen in Vorarlberg. Wozu braucht es da das neue Literaturhaus, das im kommenden Frühjahr in Hohenems eröffnet? 

Das Literaturhaus Vorarlberg will nicht Bestehendes doppeln, sondern ergänzende Perspektiven zum Vorhandenen schaffen. Wir sehen großes Potenzial darin, Autor:innen im Literaturhaus in neuen Formaten wie einem Live-Lektorat oder im Kontext der literarischen Übersetzung zu präsentieren. Es wird ein Ort, an dem wir uns nicht nur dem fertigen Buch, sondern besonders dem Prozess des Schreibens, Lesens und Verstehens widmen möchten. Wir werfen Fragen auf wie: Was passiert beim kreativen Schreiben, bei der literarischen Übersetzung, dem Lektorat oder auch der Literaturkritik? So können wir die Arbeit der Autor:innen aus einer zusätzlichen Perspektive beleuchten und dem Publikum einen komplexeren Einblick in ihre kreative Praxis ermöglichen. Denn wir verstehen Sprache als Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe und kulturellem Verständnis. Gerade in einer zunehmend diverseren Gesellschaft wird die Fähigkeit, sich auszudrücken, zu einem entscheidenden Faktor für Chancengerechtigkeit. 

Sie experimentieren schon jetzt mit verschiedenen Veranstaltungsformaten: Es gibt bereits Projekte wie eine writers:class, das Stadtflüstern, einen Podcast. Für welches Publikum ist das neue Literaturhaus gedacht?

Natürlich sprechen wir jeden Literaturbegeisterten an. Aber das Haus richtet sich vor allem auch an diejenigen, die bislang wenig Zugang zum Lesen und Schreiben gefunden haben oder deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Diese Idee war bereits Impuls für zahlreiche Projekte. Dazu zählt unsere Sammlung von Sprichwörtern und Redewendungen aus den vielen Sprachen, die in Hohenems gesprochen werden. Beim Stadtflüstern laden wir Senior:innen ein, ihre Geschichten an besonderen Orten der Stadt zu erzählen. Diese Stimmen werden über QR-Codes an ihren Entstehungsorten öffentlich hörbar gemacht und bereichern so die Stadtgeschichte mit persönlichen Erzählungen. 

Die writers:class ist ein Kernprojekt, das in alle Schulformen und -stufen getragen wird, insbesondere in sprachlich heterogene Klassen. Über vier Jahre lang laden Autor:innen die Schüler:innen, während der gesamten Grundschulzeit, der Mittel- oder Oberstufe, dazu ein, sich kreativ mit Sprache auseinanderzusetzen. Die writers:class setzt auf den spielerischen Umgang mit Sprache und auf die Freude am Erzählen. 

Diesen Projekten gemeinsam ist, das mit ihrer Hilfe auch Menschen sichtbar werden, die oft ungehört bleiben, die Gemeinschaft jedoch um ihre wertvollen Geschichten bereichern. 

Die ersten Pläne für ein Literaturhaus in Vorarlberg gab es 2015 – vor zehn Jahren. Wieso gab es eine so lange Vorlaufzeit für das Projekt?

Bis 2018 war unser Trägerverein literatur.ist noch ein kleineres Netzwerkprojekt, das vom Land Vorarlberg gefördert wurde, um die Literaturszene in der Region zu vernetzen und zu unterstützen. Nach einer positiven Evaluierung im Sommer 2018 entstand die Idee, dieses Netzwerk in ein Literaturhaus umzuwandeln und es in der Villa Franziska und Iwan Rosenthal in Hohenems zu verorten.

Die Konzeptarbeit begann im Sommer 2018 – ein spannender Prozess, in dem ich mit verschiedenen Kolleg:innen, wie Janika Gelinek vom Literaturhaus Berlin oder auch Tom Bresemann von der Lettretage Berlin, in Austausch treten durfte. Besonders wertvoll war auch der Kontakt zu den Co-Designern der Oodi-Bibliothek in Helsinki. Diese und andere Gespräche halfen uns zu verstehen, wie wichtig es ist, ein Literaturhaus im Kontext zu denken – als Ort, der vielfältige Aufgaben übernimmt und in dem die Menschen, für die das Haus entsteht, an wesentlichen Punkten aktiv in den Gestaltungsprozess eingebunden werden. Das daraus entwickelte Konzept konnte schließlich sowohl die Stadt Hohenems, das Land Vorarlberg als auch die Eigentümergemeinschaft der Villa überzeugen. 2019 fiel der offizielle Startschuss für das Projekt, parallel dazu begann auch die Planung für die Renovierung und den Umbau des Hauses. 

Die Villa, in die das Literaturhaus einziehen wird, steht im Herzen von Hohenems. Das ist eine exponierte Lage – nebenan entsteht gerade das neue Rathausquartier. Was ist die besondere Herausforderung, ein „Haus für die Stadt“ zu gestalten? 

Es macht einen großen Unterschied, ob etwas sorgsam wachsen darf oder sich schnell entwickeln muss. Ich bin sehr froh, dass alle Verantwortlichen rund um das Literaturhaus und die Villa es uns ermöglicht haben, bereits 2019 konkret mit unserer Arbeit zu starten. Dazu gehörte die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Förderern. Dazu zählte aber auch das Einverständnis der Investorengemeinschaft und der Bauleitung, dass wir bereits während des Umbaus und der Restaurierung der Villa Franziska und Iwan Rosenthal punktuelle Veranstaltungen im Haus durchführen konnten. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass eine Baustelle dieser Größe den Atem anhält, damit drei internationale Autor:innen an einem Sommerabend in der alten Kutscheneinfahrt vor einem gebannten Publikum Nacht-Lyrik lesen können.

Diese Veranstaltungen in Räumen wie der Kutscheneinfahrt, dem Gartensalon oder dem Esszimmer waren eine wertvolle Gelegenheit, die Architektur des Hauses in Aktion zu erleben und die Atmosphäre zu spüren, die es den Veranstaltungen verleiht. Ein Gartensalon lädt zu geselligem Austausch ein, das Esszimmer darüber eignet sich für intime Gespräche und konzentrierte Programmpunkte. Durch diese Formate konnten wir immer wieder die Türen der Villa öffnen, um der Bevölkerung einen Einblick in das entstehende Literaturhaus zu geben. Die Herausforderung, ein „Haus für die Stadt“ zu sein, lag und liegt also darin, hinzuschauen und -zuhören, was bereits vor Ort da ist. 

Wir sind neugierig: Gibt es schon etwas, dass Sie uns zur Eröffnung verraten können? Und was erwartet uns anschließend im ersten Jahr im Programm?  

Wir sind in der finalen Planungsphase und können deshalb erst gegen Ende des Jahres ganz konkret werden. Aber ich kann Ihnen verraten, dass wir mit einem Prolog starten. Die Türen des Literaturhauses Vorarlberg werden sich zum ersten Mal im April 2025 öffnen und unsere Besucher:innen können dann ihr Literaturhaus Vorarlberg auf vielfältige und interaktive Weise entdecken. Die offizielle Eröffnung wird feierlich am Wochenende des 14. Juni 2025 stattfinden, gemeinsam mit der Einweihung des neuen Hohenemser Rathauses, das im entstehenden Rathausquartier direkt neben uns liegt. 

Ein Highlight wird die Daumenkinolesung: Neun preisgekrönte internationale grafische Erzähler:innen werden mit ihren Mikrogeschichten zum Literaturhaus Vorarlberg und der Kraft der Sprache die Magie dieses Miniaturformats sichtbar machen. 

Neben dem Abendprogramm wird es tagsüber vielfältige Aktivitäten geben: von kostenlosen Mini-Workshops mit Autor:innen über den größten writers:room der Bodenseeregion bis hin zu ausleihbaren Picknickkörben mit unterschiedlichen literarischen Schwerpunkten. Jugendliche erleben das Literaturhaus als ihren Maker Space. Hier können sie ihre Pen&Paper-Abenteuer bestehen, erste eigene Podcasts aufnehmen, sich in Masterclasses mit renommierten Autor:innen ihren Feinschliff holen oder als junge Kulturmanager:innen erste Schritte wagen. 

Das Literaturhaus Vorarlberg lädt alle ein, sich auf ganz individuelle Weise mit Sprache und Literatur auseinanderzusetzen. Ob sie sich literarisch weiterentwickeln, gute Gespräche führen, in Büchern schmökern oder einfach nur einen ruhigen Moment mit Blick auf den 135 Jahre alten Baum im Garten genießen möchten – unser Haus bietet Raum für alle Facetten.