to be continued: Das Haus der tausend Geschichten
„Wow, voll krass!“, entfährt es Emre (12), als er über das repräsentative Treppenhaus der Villa Iwan und Franziska Rosenthal in Hohenems in die Belle Etage des alten Hauses gelangt. Vorbei an einem riesigen Glasfenster, dessen Motive und Farben beeindrucken, und das Teile der Geschichte der Familie Rosenthal spiegelt. Das Haus, das sonst für die Öffentlichkeit verschlossen ist, öffnete vor wenigen Tagen seine Türen exklusiv für rund 40 Vorarlberger Schüler_innen der 3a der Neuen Mittelschule Rheindorf Lustenau und der 3a des Gymnasiums Schillerstraße Feldkirch. Beide Klassen nehmen an dem europäischen Schreibprojekt ‚to be continued…‘ (Fortsetzung folgt…) teil, das von literatur:vorarlberg netzwerk und dem W*ORT in Lustenau initiiert wurde. Gemeinsam mit Klassen aus Dublin, Turin, Kopenhagen und Chisinau schreiben die Vorarlberger Jugendlichen eine fiktive Fortsetzungsgeschichte zu der Villa, die sich in den nächsten Jahren zu einem Literaturhaus Vorarlberg entwickeln darf. In Feldkirch gestartet, wird die Geschichte von Woche zu Woche im nächsten europäischen Klassenzimmer fortgesetzt, bis sie in Lustenau landet und dort zum Ende kommt.
Im Mai 2020 wird das junge europäische Schreibkollektiv seine komplette Geschichte in allen Sprachen, in denen sie geschrieben wurde, als Buch in den Händen halten und im Rahmen einer öffentlichen Lesung gemeinsam präsentieren.
Auf Zeitreise zur Familie Rosenthal
Das von außen graue Haus entfaltet in seinem Inneren alle Schönheit des 19. Jahrhunderts und inspiriert die Jugendlichen mühelos zu einer Vielzahl an möglichen Geschichten. Vom beeindruckenden Esszimmer gelangen die Schüler in das Spielzimmer, dessen Schränkchen noch nach dem Tabak Iwan Rosenthals riechen, und entdecken dort geheimnisvolle Tapetentüren. Damals ermöglichten diese Türen den Dienstboten der Familie Rosenthal ein unauffälliges Aufscheinen. Heute ist das Öffnen dieser Türen und der Blick in die Gänge dahinter, die noch so manches Geheimnis der damaligen Zeit bewahren, ein Highlight für die Jugendlichen. Doch nicht alle Türen der Villa gehen an diesem Tag für die Schüler_innen auf. Deshalb sieht man plötzlich neugierige Drittklässler_innen vor den Schlüssellöchern knien, die versuchen, zumindest die Umrisse des nächsten Raums zu erspähen. Kulturvermittlerin Claudia Klammer vom Jüdischen Museum Hohenems lädt die Schüler_innen mit den Geschichten über das Haus und die Familie Rosenthal sowie deren Nichte Amalie Hess zu einer wahren Zeitreise ein. Gespannt lauschen die Jugendlichen den Informationen und können mit Amalie mitfühlen, die mit 15 Jahren ihre Heimatstadt Zürich verlassen und sich plötzlich auf ein Leben im fernen und ländlichen Hohenems bei ihrer Tante Franziska und ihrem Onkel Iwan einstellen muss.
Wir berichten regelmäßig hier über das Projekt! Stay tuned.
Partnerinitiativen
Gymnasium Schillerstraße, Feldkirch
Neue Mittelschule Rheindorf, Lustenau
Fighting Words, Dublin
Ordskælv, Kopenhagen
Fronte del Borgo, Turin
Theoretical Lyceum Natalia Gheorghiu, Chișinău
Projektidee
literatur:vorarlberg netzwerk
und W*ORT Lustenau
In Kooperation mit dem
Jüdischen Museum Hohenems
und der Literatur Vorarlberg
mehr Informationen zur
writers:class
ein double check-Projekt
Unterstützer: Stadt Hohenems, Land Vorarlberg, Bundeskanzleramt Österreich, Gemeinde Lustenau, Stadt Feldkirch, Vorarlberger Kulturservice, Raiffeisenbank Im Rheintal