kreatives Schreiben Literaturvermittlung writers:class

writers:class: Detektiv:innen im Klassenzimmer

Margit Brunner Gohm löst mit der writers:class der VS Bregenz Rieden einen kniffligen Fall

Es ist das dritte Jahr writers:class in der Volksschule Bregenz Rieden. Die Schüler:innen haben in der ersten Klasse mit Erzählungen begonnen, sind dann über die ersten eigenen Post-it-Geschichten zum Vorlesen gegangen und dürfen nun knifflige Texträtsel und Handschriften dechiffrieren.


Margit Brunner Gohm von der Bibliothek Satteins hat einen Kriminalfall mitgebracht. Sie liest aus „Der Schattenmann – Ratekrimis“ von Martin Selle und Susanne Knauss (G&G Verlag PISAbibliothek 2012) einen Auszug vor, in dem der Schokoladenfabrikant Herr Klamm das Detektivbüro von Lenas Mutter um Aufklärung bittet. Es handelt sich um einen mysteriösen Phantombrief, den er erhalten hat. Er wird erpresst und hat seine Sekretärin im Verdacht – Rosalinde Rot, die gerade erst wütend gekündigt hatte. Außerdem ist sein Tresor aufgebrochen worden. Lena und ihre Mutter finden in dem Tresor einen weiteren Brief.


Eben diese Briefe bekommt die writers:class vorgelegt – sie dürfen das Rätsel nun lösen. Wer steckt hinter den gemeinen Phantombriefen, die dazu noch in unleserlichen Handschriften geschrieben sind?
Nun werden die Briefe durchforstet. Dieses Wort ist falsch geschrieben, und auch hier findet sich ein Rechtschreibfehler. Doch dasselbe Wort ist im zweiten Brief richtig geschrieben. Mysteriös, findet auch die writers:class. Doch genaue Hinweise liefern die Briefe noch nicht – zumindest nicht auf den ersten Blick.
Vielleicht ist etwas in einer Geheimschrift geschrieben worden? Margit packt ihre Experimententasche aus: ein Schneidebrett, ein Messer, Pinsel, Honiggläser, eine Zitronenpresse und Zitronen. Was hat das mit dem Fall zu tun?


Die Schüler:innen dürfen nun im Selbstexperiment ausprobieren, wie Geheimschrift funktionieren kann, also pressen sie fleißig Zitronen aus, tunken Pinsel in den Zitronensaft hinein und schreiben die Verdächtigen mit dieser Geheimtinte auf einen Zettel. Von den Namen ist nichts zu sehen – sie bleiben unsichtbar.

„Ich glaube, Mütter haben Superkräfte!“ (Elias, Klasse 3a)

Die Detektiv:innen hängen die Zettel zum Trocknen auf eine Leine und überlegen, wie sie die Geheimschrift nun wieder sichtbar machen können. „Mit Wasser!“, „Mit Schwarzlicht“, „Mit einer Taschenlampe.“ Sie waren mit ihren Lösungsvorschlägen schon nah dran, doch nicht das Licht macht hier die Buchstaben sichtbar, sondern Wärme. Als Margit ein Bügeleisen auspackt, anschließt und kurz prüft, ob es schon warm genug ist, ruft Elias: „Ich glaube, Mütter haben Superkräfte!“


Die Superkräfte der Detektiv:innen kommen dann zum Einsatz, als ihre Zitronen-Buchstaben durch das Bügeln plötzlich sichtbar werden. Wer hat richtig getippt und der Geschichte gut zugehört? Wer konnte die Auffälligkeiten der beiden Phantombriefe richtig kombinieren? In einem Brief steht „elendiger“, im zweiten „elendieger“ geschrieben. Das waren bestimmt zwei Briefeschreibende, nicht nur eine Person. Rosalinde Rot, die wütende Sekretärin, oder Herr Klamm selbst, der nur so getan hat, als wäre er erpresst worden?
Ganz nebenbei passiert hier Vieles – ein Spiel mit den Worten und ihren Bedeutungen. Mit Aufmerksamkeit und sinnerfasstem Lesen und Zuhören. Mit der Erkenntnis, dass leserlich schreiben wichtig ist – außer wir möchten unsere Handschrift als Geheimschrift verwenden.


Am Schluss sind alle stolz, den Fall doch irgendwie gelöst zu haben – Herr Klamm war es. „Der hat gelogen!“ War doch klar, sagen die Schüler:innen und versprechen, an ihrer eigenen Handschrift zu arbeiten, um auch in der Schule keine Geheimschrift anzuwenden, wenn sie doch eigentlich nichts zu verbergen haben.

Vielen Dank an Margit Brunner Gohm, die Volksschule Bregenz Rieden mit Laura und Mario und natürlich die Klasse 3a!