Datum
27.11.2023
Kategorie
writers:class
Schlagworte

Zu Besuch in der writers:class der MS Hasenfeld Lustenau

Die Schüler:innen der Klasse 4c der MS Hasenfeld Lustenau befinden sich nun im letzten Jahr der writers:class, die über vier Jahre geht und sie gemeinsam mit unterschiedlichen Autor:innen ins kreative Schreiben bringt.

Die Post-it-Tafel mit Figuren, die auch ein Charakter sind. Foto ©Jenny Spiegel

Auf einmal thront ein kleiner Tannenbaum über der Klasse. Er hat zwei Arme und zwei Augen und ist plötzlich mehr als nur ein gezeichnetes Bild an der Tafel. Motion Designerin und Illustratorin Simone Knecht besucht in diesem Semester die writers:class der MS Hasenfeld Lustenau und taucht mit ihnen in eine Welt voller Bilder ein. Das Wort „Bild“ scheint fast zu allgemein zu sein, wenn man sich die Doodles, Piktogramme, Comics und Mini-Bildergeschichten der Klasse anschaut. Denn bevor Simone mit den Schüler:innen in die Kunst des grafischen Storytellings eintaucht, lässt sie die Klasse Begriffe zeichnen. Ob Pizza, Hand, Auge, Rakete – kein Wort scheint hier nicht darstellbar zu sein. Mit Bleistift, Kugelschreiber oder Buntstift malen und zeichnen die Schüler:innen drauf los. Mal einfach und klar, mal verschnörkelt und detailliert. Wie die Doodles aussehen, wird hier nicht bewertet; es geht darum, die Fantasie anzuregen, das Visuelle zu fördern und Herausforderungen anzunehmen.

Es handelt sich um einen „Visual Storytelling Workshop“, den Simone Knecht und Sarah Hämmerle konzipiert haben und der eine kreative Aufforderung sein soll, ins Darstellende zu kommen. Bei der nächsten Aufgabe werden winterliche Begriffe auf Post-its gemalt und an die Tafel gepickt. Schnell ist die Tafel voll mit Eislaufschuhen, Lebkuchenmännern, Schneebällen und Wollsocken. Diese Post-it-Karikaturen bekommen im nächsten Schritt Arme, Augen, Mund und Beine, denn wie Simone sagt, kann man aus allem einen Charakter machen. Um nun ins Erzählen zu kommen, braucht es nicht viel: nur einen Anfang, eine Mitte und einen Schluss. Die ersten Mini-Geschichten und Mini-Post-it-Comics entstehen. Es war einmal ein Baum, der aufwacht und plötzlich erkennt, dass er ein Christbaum ist. Oder die Geschichte von dem Mädchen, das eisläuft, hinfällt, sich verletzt und weint. Es sind einfache Handlungsstränge, erzählt in Bildern. Wie malt man Schmerz? Wie wird deutlich, dass der Baum erwacht? Fragen, die hier nicht gestellt, sondern beantwortet werden.

Die 7 Schritte des Geschichtenerzählens: 1. Es war einmal. 2. Er, sie, es beschreibt den Ausgangspunkt der Handlung. 3. Dann – Handlung oder Wendung. 4. Und dann – Wendung. 5. Dadurch – Ergebnis. 6. Bis schließlich – Konsequenz. 7. Und seitdem – Erkenntnis.

Zum Schluss werden sieben Post-it-Figuren gesammelt und zu einer Geschichte verknüpft, die heute mehr als einmal dramatisch verläuft. So wird plötzlich der Lebkuchenmann von einem Eislaufschuh überfahren, und das Cocktailglas erkennt, dass es lieber Glühmost als Tee sein möchte. Zu Weihnachten explodiert ein Ofen, und die Liebesgeschichte zwischen Lebkuchenmann und Zuckerstange endet tragisch. Doch es funktioniert. Die Geschichten wollen erzählt werden, ob sprachlich oder visuell. Und dabei hatte alles angefangen mit einem Wort. Einem Wort, das ein Charakter wird und plötzlich zu Leben erwacht.   

Vielen Dank an Klassenvorstand Birgit Schwarzmann von der MS Hasenfeld Lustenau, an Gabi Hampson vom W*ORT Lustenau, die Marktgemeinde Lustenau und natürlich an Simone Knecht und Sarah Hämmerle, die mit viel Engagement und Kreativität an dieses Projekt herangehen.