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seek&read: Lady Gaga und der schlaue Fuchs: #3

seek&read: Lady Gaga und der schlaue Fuchs © Verena Hochleitner
seek&read: Lady Gaga und der schlaue Fuchs © Verena Hochleitner

Geschrieben und illustriert von Verena Hochleitner

Für Kinder ab 6 Jahren

Herzlich willkommen bei seek&read – deiner literarischen Schnitzeljagd durch Hohenems. Du befindest dich auf einen turbulenten Ausflug mit Lady Gaga und dem Hund Nudel, der vor zwei Kapiteln im Literaturhaus begonnen hat.

Du bist zufällig über diesen QR-Code gestolpert? Dann findest du hier die gesamte Geschichte. Hör nach #2 auf und steige direkt hier bei #3 ein! Für alle anderen geht es direkt weiter!

Wir wünschen dir viel Spaß bei seek&read!
Dein Literaturhaus Vorarlberg

An der Mühle, wo ein netter plätschernder Bach ein hölzernes Mühlrad antreibt, breitete ich die Picknickdecke aus.

Es stellte sich heraus, dass Lady Gaga in ihrem Leben noch nie eine Mühle gesehen hatte. Das Huhn war begeistert.

„Was für ein wunderbares Zeugnis einer hochentwickelten Kultur“, lobte Lady Gaga.

Sie bewunderte das kreisrunde Mühlrad. Wenn das Huhn selbst versuchte, einen Kreis zu zeichnen, kam dabei immer ein Ei raus.

„Und damit kann man also auch Mehl machen? …“, sagte Lady Gaga interessiert.

Das Huhn hatte sich in seinem ganzen Leben noch nie gefragt, wo das Essen eigentlich herkommt, das ihr von Selma Wakolbinger serviert wurde. Popcorn schienen ja nicht einfach so auf den Bäumen zu wachsen. Jetzt war es vollkommen davon fasziniert, dass eine Mühle Getreidekörner zu Mehl verarbeiten konnte, aus dem sich ein Kuchen backen ließ. Körner waren für das Huhn immer eher etwas für blinde Hühner gewesen. Aber einen Kuchen ließ es sich einreden. Warum ein Korn aufpicken, wenn man das Korn auch in Form von Kuchen essen konnte?

Glücklicherweise fand sich in meinem Picknickkorb ein Gugelhupf. Lady Gaga rührte die Karotten und Selleriestangen, die ich mühselig geschält und mundgerecht zurecht geschnippelt hatte, nicht an. Es aß zuerst den ganzen Kuchen und dann alle anderen Sachen, die Mehl enthielten.

Das war der Moment, als ich tatsächlich einen Fuchs am Waldrand sah. – Okay, okay, es tut mir wirklich leid. Ich verstehe völlig, wenn ihr mich ins Tierheim werft. Ich kann es leider nicht ändern. Ja, die Bäume hier hatten sich tatsächlich zu einem Wald zusammengetan. Und in diesem Wald erspähte ich, wie ein Fuchs die Witterung der gefiederte Muse der weltberühmten Schriftstellerin Selma Wakolbinger aufnahm. – Ein Fuchs!!! Ich schwöre es, es ist der erste Fuchs den ich hier je erblickt hatte. Aber vielleicht hatte ich Füchse bisher nicht so auf dem Radar.

Ich wurde etwas blass um die Schnauze. Der Appetit war mir schlagartig vergangen. Ich schob mit meiner Schnauze die Gemüsesticks in die Tupperdose zurück.

Was sollte ich tun? Den Fuchs in die Flucht schlagen? Ich stamme zwar vom Wolf ab, aber das ist halt schon eine Weile her. Meine nächsten Vorfahren waren väterlicherseits allesamt Schoßhunde gewesen. Dass aus mir ein Therapiehund geworden ist, verdanke ich allein meiner Mutter, die einer langen Linie an friedfertigen Hütehunden entstammt.

Leute, ich bringe es schlichtweg nicht zustande, wie ein Wolf zu fühlen. Zu denken schon gar nicht.

Nervös begann ich, mit meinen Mahlwerkzeugen einen Gummistiefel zu bearbeiten, den ich neben der Picknickdecke im Gras fand. Was würde Selma Wakolbinger sagen, wenn ich ihre Muse nicht heil nach Hause brachte?

„Ich glaube, wir brechen jetzt besser auf!“, sagte ich zu Lady Gaga.

„Warum?“, fragte das Huhn verwundert. „Wir sind doch gerade erst gekommen!“

„Äh …“, stammelte ich. „Weil man immer gehen soll, wenn es am schönsten ist?“

Das leuchtete Lady Gaga überhaupt nicht ein.

Ich deutete zum Himmel. „Ein Gewitter zieht auf!“

Das Huhn inspizierte das makellose Blau über uns.

„Ich kann Gefahr riechen, bevor sie da ist“, behauptete ich. „Ich bin ein Hund!“

Dass ich ein Hund bin, konnte Lady Gaga nicht leugnen. Sie stellte den Picknickkorb auf den Kopf. Bis auf die Gemüsesticks waren die Vorräte zuneige. Das Huhn hatte alles aufgegessen.

„Okay!“, sagte es.

Allerdings war Lady Gaga nun so träge, dass sie kaum vorankam. Ich linste nach dem Fuchs, der näher gekommen war. Er lauerte hinter einem Baum und hatte das Huhn im Visier.

Ich hob den Deckel vom Picknickkorb. „Hier rein!“, sagte ich zum Huhn.

„In den Korb?“

„Genau!“, erklärte ich. „Genug gewandert. Ich trage dich ein bisschen.“

Das gefiel dem Huhn außerordentlich. Ich baute für Lady Gaga mit der Picknickdecke ein gemütliches Nest in den Korb und brachte sie von der Wiese weg, die, wie ich nun gelernt habe, am Waldrand liegt.

Der Picknickkorb schaukelte in meinen Pfoten und das Huhn war im Nu eingeschlafen. Flugs machte ich mich auf den Weg in die Stadt zurück. Nach dem Fuchs brauchte ich mich nicht umzudrehen. Ich wusste, dass er uns verfolgte. Ich konnte ihn riechen.

Auf der anderen Straßenseite erblickte ich das alte Alte Rathaus.


Es hat begonnen zu regnen? Du musst dringend nach Hause, aber du willst unbedingt wissen, wie es weitergeht? Dann findest du hier die komplette Geschichte!