seek&read: Lady Gaga und der schlaue Fuchs: #2
Geschrieben und illustriert von Verena Hochleitner
Für Kinder ab 6 Jahren
Herzlich willkommen bei seek&read – deiner literarischen Schnitzeljagd durch Hohenems. Du befindest dich auf einen turbulenten Ausflug mit Lady Gaga und dem Hund Nudel, der vor einem Kapitel im Literaturhaus begonnen hat.
Du bist zufällig über diesen QR-Code gestolpert? Dann findest du hier die das erste Kapitel und kannst immer noch einsteigen! Für alle anderen geht es direkt weiter!
Wir wünschen dir viel Spaß bei seek&read!
Dein Literaturhaus Vorarlberg
Am Nibelungenbrunnen angekommen, bestand Lady Gaga darauf, dass ich mir die Pfoten wusch. „Mindestens 20 Sekunden!“, befahl das Huhn. „Sonst werden sie nicht richtig sauber! Du bist total eklig und unhygienisch!“
Ja, ich geb’s zu! Ich musste mal für kleine Hunde und hatte mich nach alter Gewohnheit an einer der vier Linden erleichtert, die um den Brunnen herumstehen. Doch ich verstehe beim besten Willen nicht, was das mit meinen Pfoten zu tun hat!
„Nach dem Klo gehen wäscht man sich prinzipiell die Hände!“, behauptete das Huhn.
Liebe Kinder, hier handelt es sich um ein grundlegendes Missverständnis zwischen Hund und Huhn! Lady Gaga dachte völlig falsch über mich! Ich habe den Baum nicht einfach so angepinkelt, sondern markiert. Es ist eine Grußbotschaft an alle anderen Hunde, die hier leben. Die Botschaft lautet ungefähr so: Hey Freundinnen und Freunde auf vier Pfoten, nur damit ihr es wisst: ich, euer Nudel, bin hier heute schon vorbeigekommen!
Mit dem Huhn war leider nicht zu reden. Damit es aufhörte, herumzugackern, badete ich meine Pfoten gehorsam im Brunnen.
Lady Gaga war zufrieden. Und als sie den prächtigen Palast erblickte, vergaß sie unsere kleine Auseinandersetzung. „Ein richtiger Palast“, rief sie begeistert. Ein Palast war ganz nach ihrem Geschmack. Sie wollte sofort hineingehen, um dem prinzlichen Grafen und der gräflichen Prinzessin ihre Aufwartung zu machen.
Von einem der Schornsteine der riesigen Anlage stiegen drei Raben in die Luft und kamen herbeigeflogen.
Sie ließen sich auf dem Brunnenrand nieder und stellten sich der Reihe nach vor. Es handelte sich um Earl Grey, Duke Ellington und Lady Cracker.
Das Huhn plusterte sein Gefieder auf. Dann machte es einen galanten Knicks. „Lady Gaga!“, sagte es würdevoll.
Mich ließ man mit meinen patschnassen Pfoten einfach links liegen.
Nun ersuchte Lady Gaga die schwarzen Vögel um Audienz im Palast. Um sich noch mehr Würde zu verleihen, erwähnte das Huhn die weltberühmte Schriftstellerin Selma Wakolbinger, für die sie das unvergleichliche Vergnügen hatte, als Muse tätig zu sein.
Die Rabenvögel warfen sich Blicke zu.
„So, so“, sagte Earl Grey. „Selma Wakolbinger“
Es war offensichtlich, dass er den Namen Selma Wakolbinger noch nie in seinem Leben gehört hatte.
„Im Palast gibt es eine weltberühmte Bibliothek!“, sagte Lady Cracker. „Welches weltberühmte Buch hat Selma Wakolbinger denn geschrieben?“
Da es nicht zu den Aufgaben einer Muse gehört, die Werke, die sie inspiriert hat, auch zu lesen, wurde Lady Gaga nervös.
Duke Ellington begann ein ziemlich langes Gedicht vorzutragen.
Das Huhn schaute den Duke verständnislos an. So ein blödes Gedicht hatte es noch nie gehört. Lady Gaga hatte überhaupt noch nie ein Gedicht gelesen. Wenn das Huhn sein Herz erfreuen wollte, schaute es Katzenvideos.
Trotzdem wollte Lady Gaga dem Duke um nichts nachstehen.
Sie sagte das einzige Gedicht auf, das sie kannte. Wenn auch nur die erste Strophe.
„Ich wollt, ich wär ein Huhn, Gaga,
dann hätt ich nichts zu tun, Gaga“
Ich lege jeden Tag ein Ei
und sonntags sogar zwei!“
Die Krähen warfen sich schon wieder Blicke zu. Blicke, die mir gar nicht recht gefielen. Ich konnte nicht mit ansehen, wie diese eingebildeten Vögel mit Lady Gaga umsprangen. Earl hin oder her. Ich zog meine Lefzen zurück und entblößte meine Reißzähne. Zur Sicherheit knurrte ich auch ein bisschen.
„Oha!“ Duke Ellington grinste.
„Huch!“ Lady Cracker ging theatralisch in dem Trinknapf, der die Mitte des Brunnens bildete, in Deckung. Das sprudelnde Wasser perlte elegant auf ihrem rabenschwarzen Gefieder ab. Eines musste man den Vögeln lassen, sie sahen wirklich vornehm aus.
Earl Grey sagte gar nichts. Er breitete seine Schwingen aus. Das Zeichen zum Aufbruch. Die Rabenvögel zogen ab.
Lady Gaga rückte ihre Kappe zurecht. Zum ersten Mal, seit ich das Huhn kennengelernt hatte, wusste es nicht, was es sagen sollte.
„Banausen“, sagte das Huhn endlich. „Wer Selma Wakolbinger nicht kennt, sollte sich mal nicht so wichtig machen!“
Ein schönes Picknick war jetzt genau das Richtige. Gut, dass ich daran gedacht hatte, den Picknickkorb einzupacken. Ein gemütliches Picknick auf einer schönen Wiese würde die Laune des Huhns wieder heben. Ich wusste auch gleich wo.
„Wir könnten zur alten Mühle wandern“, schlug ich dem Huhn vor.
„Wandern?“, rief Lady Gaga entsetzt.
Dann war ich es, der gekränkt war. War es nicht so, dass ich mir mit dem Huhn die größte Mühe gab? Ich schwieg es eine Weile eisig an.
„Wie weit ist es denn zu dieser Mühle?“, lenkte Lady Gaga ein.
„Gar nicht weit!“ Ich zeigte auf den Torbogen. „Nur die Straße runter, dann ist man auch gleich dort. Ich kenne auch eine Abkürzung!“
„Okay!“, sagte Lady Gaga und hängte sich wieder bei mir ein. „Solange wir nicht in den Wald gehen!“
Ich schüttelte den Kopf. Kurz dachte ich an die Bäume, die hinter der Mühle standen. Es waren zu wenige, als dass man von einem richtigen Wald sprechen konnte. War es nicht so? Ein paar Bäume machten noch keinen Wald! Oder? Allenfalls ein Wäldchen. Jedenfalls kein Ort, an dem ich schon jemals einen Fuchs gesehen hätte. Lady Gaga konnte ganz beruhigt sein.
Es hat begonnen zu regnen? Du musst dringend nach Hause, aber du willst unbedingt wissen, wie es weitergeht? Dann findest du hier die komplette Geschichte!






